Schmuckmuseum Pforzheim: Höllenhund und Liebestaube

Lesesonntag: Ob es die Köpfe einer Wildkatze an einem persischen Armreif von vor 2.700 Jahren sind, deren Zauber Einfluss auf den Jäger nehmen sollte, oder Liebesvögel in Form von Täubchenohrschmuck in der Antike; ob ein Jagdhundanhänger aus der Renaissance als Symbol der Treue oder eine für die damalige Zeit exotische Insektenbrosche aus dem Jugendstil, ob Phantasie- und Mischwesen oder zeitgenössische Arbeiten wie Käferbroschen von Georg Dobler. 

Bildtext (l): Armreif mit Darstellung eines Zerberus, Gold, Griechisch, 4 Jh. v. Chr. © Schmuckmuseum Pforzheim. Foto Petra Jaschke

Mit rund 120 Objekten aus der eigenen Sammlung zeigt die Ausstellung die Vielfalt von Tiermotiven im Schmuck in den vergangenen 5.000 Jahren. Im Dialog zu »Höllenhund und Liebestaube« widmet sich die Pforzheim Galerie der Rezeption von Tieren in der Kunst.

Fast 300 Tiere »bevölkern« das Schmuckmuseum Pforzheim, manche klein und erst auf den zweiten Blick zu finden, während andere als eigenständiges Schmuckstück unübersehbar sind. »Das Thema ist von breitem Interesse. Nicht zuletzt nach der Ausstellung über die Schlange im Schmuck 2010 war es naheliegend, sich weiteren Tierarten zuzuwenden und der Frage nachzugehen, welche Vorläufer und Wegbereiter es dafür in der Kunstgeschichte gegeben hat«, erläutert Museumsleiterin und Kuratorin Cornelie Holzach, wie es zu der Ausstellung kam. »Dass Tiermotive im Trend liegen, zeigen auch die Kollektionen großer Juweliere.« In der Schau geht es auch um Phantasie- und Mischwesen, die die Schmuckgeschichte seit jeher begleiten.

Bildtext (l.): Papagei-Anhänger; Gold, Diamanten, Rubine, Perlen; Süddeutsch, um 1560-1570.© Schmuckmuseum Pforzheim; Schenkung Werner Wild Stiftung. Foto Günther Meyer Inv.

 

Die Ausstellung präsentiert Exponate Antike wie etwa Ringe mit Steinbock oder Hirschköpfen, Raubkatzen wie Löwen und Panther als Anhänger oder Armreife. Besonders prächtige Exemplare sind hir zwei Armreife mit Widderköpfen, ein sehr beliebtes Motiv damaliger Zeiten.

Unübersehbar auch in seiner handwerklich hochstehenden Ausarbeitung ist der hellenistische Schlangenarmreif aus der Sammlung des Schmuckmuseums. Die Bedeutung der Schlange ist in der Antike noch durchweg positiv, sie steht für Klugheit und Treue. Dies zeigt sich auch in den vielen Varianten als Schmuckstück, ob Armreife und Ringe, die sich mehr oder weniger ausgeformt um Finger und Oberarme griechischer und römischer Damen schlängelten. Mit dem Christentum wird ihre Bedeutung ambivalent und deutlich negativ belegt. So ist es verständlich, dass sie bis ins 19.Jahrhundert hinein kaum mehr in Schmuckstücken auftaucht.

Bildtext (r.): Brosche; Naturabguss Hirschkäfer, Silber, Amethyst; 2007. Foto © Georg Dobler

Ein Tier, das seit der ägyptischen Kultur bis in das 21. Jahrhundert »gekrabbelt« ist, findet sich im Skarabäus. Einst als Versinnbildlichung des Sonnengottes Ra taucht er in der griechischen Antike auf. Im Schmuckmuseum ist ein Ring zu sehen, der die altägyptische Bedeutung mit der der griechischen Gottheiten verbindet. Im 19. Jahrhundert mit der »ägyptischen Mode« und im Historismus ist er beliebtes Motiv, und im 20. Jahrhundert finden Jugendstilkünstler Gefallen an diesem prächtigen Insekt. Darauf Bezug nehmend, widmet sich der Schmuckkünstler Georg Dobler im zeitgenössischen Schmuck des 21. Jahrhunderts dem Thema, indem er die Schmuckstücke René Laliques für sich entdeckt.

Gibt es tierarme und tierreiche Epochen im Schmuck, so gehört die Renaissance gewiss zu den reicheren. Zwei exzellente Beispiele aus der Sammlung des Schmuckmuseums bilden Höhepunkte in der Ausstellung: zum einen ein Anhänger mit der Darstellung eines Jagdhundes, zum anderen und noch prächtiger ein Anhänger in Form eines Papageis. Beide sind geradezu naturalistisch dargestellt. Dies resultiert aus einer genauen Naturbeobachtung in Verbindung mit handwerklicher Perfektion. Zugleich darf es nicht darüber hinwegtäuschen, dass Tierdarstellungen in der Renaissance, wie auch schon im Mittelalter, immer die Verbildlichung von Eigenschaften oder Wunschvorstellungen waren. So ist der Hund das Sinnbild für Treue in der Freundschaft. Die Bedeutung einer solchen Gabe war — sollte der Anhänger verschenkt worden sein — dem Beschenkten sehr wohl bekannt. Noch symbolträchtiger kommt der Papageienanhänger daher, bei dem es sich um ein Hochzeitsgeschenk handelt. Da diese Vögel sich einen Partner fürs Leben wählen, stehen sie für eheliche Treue.

Bildtext (r.): Brosche; Silber, z.T. vergoldet; A. Winter und Sohn (?); Karlsruhe, um 1870/80. © Schmuckmuseum Pforzheim; Foto: Petra Jaschke
 

Die letzte große Epoche der Tiersymbole ist der Jugendstil, der sinnlichen Freude an der Natur in jenen Jahren entsprechend. Ob René Lalique, Georges Fouquet und Léopold Gautrait in Frankreich oder Lucas Wilhelm von Cranach in Deutschland, bei ihnen allen finden sich häufig Tiere.

Auch im zeitgenössischen Schmuck entdecken Künstler die Tierwelt wieder für sich, nun aber ohne symbolische Metaebene. Neben Georg Dobler sind dies beispielsweise Robert Smit mit einem Porträtzyklus über seinen Hund »Bello« oder David Bielander. Mit der Brosche »Perlsau« nähert er sich dem Thema auf zweideutige und ironische Weise.
(Quelle: Schmuckmuseum Pforzheim)

Weitere Informationen:
www.schmuckmuseum.de

Titelbild: Anhänger; Gold, Opale, Diamanten, Smaragde, Email; Léopold Gautrait; Paris, ca. 1898/1900; © Schmuckmuseum Pforzheim