AG Zukunft: Vom Volkskalender zum Universalmedium


Lesesonntag: Als Universalmedium sorgen sie heute gleichermaßen für Ordnung, Lebenshilfe und Unterhaltung. „Und das schon seit über 500 Jahren“, sagt Günter Eisele von Baier & Schneider in Heilbronn und Mitglied der AG Zukunft.

Für die Arbeitsgemeinschaft aus 12 Herstellern – alle mit Sitz oder Produktionsstätten in Deutschland – von Kalendern und anderen Print-Werbemitteln geht die Geschichte des Kalenders einher mit der Geschichte des Buchdrucks. Zwar gab es auch schon vor der Erfindung von Johannes Gutenberg Kalender in unterschiedlichen Formen.

Als Holzkalender beispielsweise mit eingekerbten Daten. Oder in den handgeschriebenen Kalendern der Klöster. Aber erst durch den Buchdruck gab es Kalender in größerer Auflage und selbst für das niedere Volk zu erschwinglichen Preisen.

Bereits 1454 veröffentlichte Johannes Gutenberg einen „Türkenkalender auf das Jahr 1455“ in deutscher Sprache, ein Jahr später einen „Aderlass- und Laxierkalender auf das Jahr 1456“. Dieser verriet die günstigsten Zeiten für Aderlässe, chirurgische Eingriffe, zum Baden, Nägel- oder Haare schneiden. „Heute findet man das wieder etwa in den Mondkalendern“, sagt der Historiker und Journalist Michael Jeismann.

Bauernkalender beim Volk beliebt
Die ersten gedruckten Kalender stammten meist von Ärzten, Astronomen oder Mathematikern. Beim Volk beliebt waren vor allem Bauernkalender wie etwa der „Hundertjährige Kalender“ des Zisterzienserabtes Mauritius Knauer zu Lengenheim oder die „Hinkenden Boten“. Der Name geht zurück auf Kalender, die von Kriegsversehrten aus dem 30jährigen Krieg vertrieben wurden und die Bevölkerung mit Neuigkeiten aus aller Welt versorgten. Diese gab es bis weit ins 19. Jahrhundert hinein mit Auflagen bis zu einer halben Million.

Kalendergeschichte als literarische Kunstform entwickelt
Diese Volkskalender bildeten neben Gesangbuch und Bibel im 17. und 18. Jahrhundert oft das einzige Lesematerial der „ungelehrten“ Volksschichten. Neben kalendarischen und astronomischen Informationen enthielten sie Wetterregeln, Gesundheitstipps, praktische Ratschläge und allgemeine Lebensweisheiten. Oft waren Erzählungen von „merkwürdigen
Begebenheiten“ und belustigenden Ereignissen im Alltagsleben der einfachen Leute eingefügt. Es waren schlichte Erzählungen und an die mündliche Rede angelehnt. Das Zeitalter der Aufklärung entdeckte die Kalendergeschichte als Mittel der Volkspädagogik zur Bekämpfung des Aberglaubens und zur moralischen Belehrung. Bis ins 19. Jahrhundert blieb die Kalendergeschichte an das Medium des Volkskalenders gebunden. Johann Peter Hebel entwickelt die Kalendergeschichte zu einer eigenständigen literarischen Kunstform. Er begründet damit eine literarische Tradition, die bis in die Moderne reicht mit Vertretern wie Bertold Brecht oder Bodo Strauß.

Persönliche Zeitsysteme liegen im Trend
Im 19. Jahrhundert entdeckt die Industrie Kalender als werbeträchtiges Medium. Neben den ersten firmeneigenen Kalendern entstehen „zielgruppenspezifische“ Medien wie Kalender für Eisenbahner, Studenten, Geflügelfreunde, Feuerwehrleute, Kirchenchöre oder auch Bierfreunde. Eine Tendenz, die bis heute anhält.

Der „Almanach für die Dame“, der 1956 erschien und für die Vereinigten Glanzstoff Fariken, Wuppertal Eöberfeld, hergestellt wurde, berichtet Monat für Monat über Frauenschicksale, Monatsbilder, Gedichte von Dichterinnen und astrologischen Prognosen sowie Rezepte.

Mit der Erfindung des „Zeitplaners“ durch Dr. Francis G. Beltrami im Jahr 1952 beginnt eine neue Epoche in der Kalenderfertigung. Für das moderne Zeitmanagement gibt es inzwischen einen großen Markt an ganz unterschiedlichen Lösungen, die sich gut gegenüber elektronischen Kalendarien behaupten. „Heute geht der Trend in Richtung persönliches Zeitsystem mit individuellen Kalendern, mit Buch-, Taschen-, oder Tischkalendern. Auch persönlich gestaltete Wandkalender oder Notizbücher gehören dazu“, erklärt Eisele von der AG Zukunft. Der gedruckte Kalender hat seiner Auffassung nach strategische Vorteile. Er ist schnell griffbereit, gut zu handhaben und braucht keinen Strom, um zu funktionieren. „Der gedruckte Kalender ist nach wie vor „in“ und dazu noch ein ökologisches Kleinod“, resümiert Eisele abschließend

Weitere Informationen:
www.ag-zukunft.de

Bildtext: „Almanach der Dame auf das Jahr 1956, im Schuber, Baden-Baden, Woldemar Klein; „Calender-Cabinett“, Baier & Schneider GmbH & Co. KG, Heilbronn.