GNM zeigt: „Zünftig! Geheimnisvolles Handwerk 1500


Es ist die größte Zunft-Ausstellung seit 1927 und die erste Überblicksschau zu diesem Thema. Sie basiert auf der hauseigenen Zunftaltertümer-Sammlung, einer der größten handwerksgeschichtlichen Spezialsammlungen von internationalem Rang.

Der Betrachter wird durch fünf Themenbereiche geführt: „Was ist Zunft?“, „Richtschnur Zunft. Lebensweg und Lebensraum des Handwerkers“, „Mikrokosmos Zunft. Alltag zwischen Dürfen und Müssen“, „Räder im Getriebe. Zur zentralen Rolle der Zünfte im Stadtgefüge“ und „Ein Bild von der Zunft. Vom Wandel des Verständnisses“.

Zünfte übernahmen beispielsweise auch zentrale Aufgaben innerhalb einer Stadtgemeinschaft. Sie unterstanden sowohl der örtlichen als auch überregionalen Gesetzgebung und waren als Exekutivkräfte in die kommunale Verwaltung eingebunden. Darüber hinaus trugen die Zünfte wesentlich zur Sicherheit der Bevölkerung bei, sie waren für den Brandschutz und die Stadtverteidigung zuständig. Außerdem sammelten sie Spenden für karitative und soziale Zwecke.

Im Zentrum des fünften Themenbereichs steht die Frage, wodurch unser heutiges Bild von der Zunft geprägt ist. Schon die Zünfte pflegten ihre Traditionen, ihre Gebrauchsgeräte waren zugleich auch „Denkmäler“, die durch Inschriften und Darstellungen an Personen oder Ereignisse erinnerten. Mit dem Niedergang des Zunftwesens im 19. Jahrhundert ging allerdings auch eine romantisierende Verklärung des alten Handwerks einher.

Außergewöhnliche hauseigene Sammlung
Rund 240 einzigartige und seltene Objekte der zünftigen und handwerklichen Sachkultur aus den Sammlungen des Germanischen Nationalmuseums vermitteln gemeinsam mit 20 Leihgaben ein lebhaftes Bild von der Welt der Zünfte und des einzelnen Handwerkers.

Die Ausstellung zeigt, was Zunft sowohl für den Einzelnen als auch die Gemeinschaft bedeutete. Kostbare Handwerksladen, raffinierte Meisterstücke, prunkvolle Trinkgeräte sowie kuriose und bisweilen heute kaum mehr bekannte Werkzeuge lassen ein lebendiges Bild von einem der prägenden Kapitel im Alltagsleben einer historischen Stadt entstehen.
(Quelle: Germanisches Nationalmuseum)

Anmerkung der Redaktion: Die Frage „Welche Rolle spielte die Frau bei Zünften und im Handwerkerwesen?“ lässt sich hier nur schwer beantworten. Aus damaliger Zeit heraus, scheint sie eher im Hintergrund, jedoch bedeutungsvoll als Ehefrau, Mutter und Geschäftsfrau, agiert zu haben. Dazu Ausführungen von Sabine Tiedtke (Begleitkatalog „Zünftig! Geheimnisvolles Handwerk 1500–1800“. S. 130): „… Handwerkersfrauen … führten den oft um Gesellen, Lehrlingen und Mägden erweiterten Haushalt. Im Metzgerhandwerk waren sie zudem vor allem im Verkauf tätig, also auch für finanzielle Belange zuständig.“ Außerdem durfte ein Meister erst nach der Heirat tätig werden, oder umgekehrt erst nach Meisterprüfung und Gebührenabgabe heiraten.

„Zünftig! Geheimnisvolles Handwerk 1500–1800“ – die Sonderausstellung ist noch bis zum 7. Juli 2013 im Germanisches Nationalmuseum zu sehen.

Weitere Informationen:
www.gnm.de
(Der Link wurde am 21.04.2013 getestet.)

Bildtext: Willkommscheibe eines Bäckerehepaares, 1616. Weißes und farbiges Hüttenglas, rotes, partiell ausgeschliffenes Überfangglas, Bemalung mit Schwarz- und Braunlot, Silbergelb sowie blauen und violetten Schmelzfarben; Blei. H. 30,8 cm, B. 20,2 cm. Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg