Historisches Museum der Pfalz Speyer: Auf Spurensuche nach den Amazonen


Erstmals präsentiert eine kulturgeschichtliche Ausstellung in Deutschland den heutigen Wissensstand über die Amazonen. Die Amazonen des Alterums führten ein eigenständiges Leben, bauten Städte und kämpften in Kriegen erfolgreich gegen Soldaten.

Belege aus Kunst und Alltagsleben antiker und nachantiker Zeit werden in der Speyerer Ausstellung ebenso vorgestellt wie sensationelle Grabfunde erstmals einer interessierten Öffentlichkeit gezeigt. Zu sehen sind weltweit einzigartige Objekte – archäologische und kulturgeschichtliche, historische und literarische Exponate.

Auf rund 2000 qm Ausstellungsfläche bietet die Schau einen bislang einmaligen kulturgeschichtlichen Gesamtentwurf. Sie reicht von ersten schriftlichen Quellen von vor rund 3.000 Jahren. Seither hält sich die Sage vom schönen und gleichzeitig grausamen Frauenvolk. Ein Mythos, der sich bis in die Gegenwart hineinzieht und das Thema Amazonen Künstler aller Genres inspiriert.

Heutzutage ist es längst bekannt, das es zu keiner Zeit ein Amazonenvolk gegeben hat. Vielmehr sollen sich im 5. Jahrhundert vor Christus die Amazonen mit den Skythen vermischt haben. Im antiken Griechenland stellten Amazonen das Rollenverständnis – Männer sind Krieger, Frauen gehören ins Haus – auf den Kopf. Zu den Klischees aus dieser Zeit zählen, dass Amazonen von den Männern getrennt lebten, dass das meist jährliche Treffen mit Männern lediglich der Fortpflanzung diente, die Rückgabe der geborenen Söhne an ihre Väter oder sogar die Tötung der männlichen Kinder zum Ritual gehörten. Auch der Kampf mit Pfeil und Bogen, Streitaxt und Schild, die Reitkünste sowie das angeblich bessere Bogenschießen durch Ausbrennen oder Amputation der rechten Brust gehört ins Reich der Sagen.

In der Moderne wird das klischeehafte Bild der Amazonen etwa durch "wilde Exoten" geprägt. Soldatinnen aus dem westafrikanischen Königreich Dahomey führten in Zoos und Theatern angeblich typische Kriegstänze, Schaukämpfe und Gesänge aus ihrer Heimat vor. In der Moderne ist die Rückbesinnung auf die kämpfende Kriegerin aus Filmen und Computerspielen nicht mehr wegzudenken.

Das Historische Museum der Pfalz Speyer zeigt die Ausstellung "Amazonen – Geheimnissvolle Kriegerinnen" noch bis zum 13. Februar 2011.

Eine wissenschaftliche Tagung und ein facettenreiches Begleitprogramm machen den Mythos der Amazonen für eine breite Öffentlichkeit lebendig.

Zur Ausstellung erschien ein Begleitbuch. Es ist preisermäßigt im Museumsshop erhältlich.

Weitere Informationen:
www.amazonen.speyer.de

Bildunterschrift: Die Skythen verzierten mit solchen Schmuckplättchen nicht nur Kopfbedeckungen und Umhänge, sondern auch Schuhe. Diese Applik (Dekoration) eines weiblichen Kopfes mit herabhängenden Zöpfen, spielt auf die Darstellung von Weizenähren an und damit auf den Fruchtbarkeitskult, der bei den Skythen eine große Rolle spielte. Leihgeber: Archäologisches Institut der Akademie der Wissenschaften der Ukraine. 350-300 v. Chr.
Foto: Peter Haag-Kirchner/Historisches Museum der Pfalz Speyer

(Der Link wurde am 11.09.2010 getestet.)

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