Archäologische Staatssammlung München: „Karfunkelstein und Seide“


Es handelt sich dabei um die erste öffentliche Präsentation der im Jahre 2004 in Unterhaching bei München gemachten Funde aus zehn Gräbern des frühen Mittelalters, etwa aus der Zeit zwischen 480 und 520 nach Christi. Die Ausstellung umfasst außerdem internationale Leihgaben aus anderen Regionen Süddeutschlands, aus Frankreich und Italien, darunter auch Exponate aus dem frühmittelalterlichen Gräberfeld in München-Aubing.

Die Sonderausstellung bietet Einblicke in die Zeit des Ostgotenkönigs Theoderich des Großen, auch Dietrich von Bern genannt, und mit ihm dürften die Begrabenen auch irgendwie in Verbindung gestanden sein, denn sie stammten mit zwei Ausnahmen nicht aus dem bayerischen Raum, wie man mit den heute zur Verfügung stehenden Methoden, auch der Gentechnik, zweifelsfrei nachweisen kann. Die Gräberfunde weisen auf eine reiche Familie hin, vielleicht "Diplomaten", die sich mit Karfunkelsteinen (heute besser bekannt als Almandin oder Granat) und Seide schmücken konnten: drei Männer, vier Frauen und ein kleines Mädchen. Das Gräberfeld enthielt auch die Gräber von zwei Toten, die nicht aus der Fremde stammten, sondern in der Region aufgewachsen waren. Eine der Toten, eine junge Frau mit sehr kostbaren Grabbeigaben, wird in der Ausstellung "Prinzessin" genannt. Besonders anrührend sind die Beigaben des Kindergrabes; das kleine Mädchen, das nur 3 bis 4 Jahre alt wurde, war in Seide gekleidet, trug ein goldenes Stirnband und silberne Gewandspangen – Zeichen zärtlicher Elternliebe.

Neben dem zum Teil sehr kostbaren Schmuck wie Fibeln, Kolliers, Ringen und Ohrgehängen aus Gold, Silber, Malachit, Granat und Perlen werden Gürtelschnallen, Messer, Waffen, Werkzeuge und einige Gefäße gezeigt, außerdem ein Kamm, ein Schmuckkästchen und spätrömische Münzen. Die Motive des Schmucks verweisen zum Teil bereits auf christliche Symbolik: Adler, Phönix und Fisch. Auch zwei Fingerringe mit Christus-Monogramm aus den Aubinger Grabungen werden gezeigt, die frühesten Zeugnisse christlicher Religiosität in der Region München. Daneben fand man auch zahlreiche Amulette als Glücksbringer, die nach dem Volksglauben vor Bösem schützen sollten. Forschungen haben ergeben, dass die damals getragenen Edelsteine und Seidenstoffe wahrscheinlich aus Indien und China importiert wurden.

Die Ausstellung ist noch bis 4. Juli 2010 zu sehen.

Der sehenswerte Begleitband zur Ausstellung enthält neben vielen Bildern auf ca. 200 Seiten neue Forschungsergebnisse und Erkenntnisse zur Frühgeschichte.

Isolde Bräckle

Weitere Informationen:
www.archaeologie-bayern.de

Bildunterschrift: Scheibenfibel

(Der Link wurde am 07.06.2010 getestet.)