Zauberhafte Walt Disney-Sammlung des Münchner Stadtmuseums


"Die Arbeiten treffen auch heute noch den Zeitgeist", sagt Manfred Wegner, Leiter der Sammlung Puppentheater/Schaustellerei am Münchner Stadtmuseum. In der Tat: Kaum ein Besucher wird sich dem Zauber etwa des Storyboards (zeichnerische Darstellung eines Drehbuchs – Anm.d.Red) zu "Sleeping Beauty" (Dornröschen) entziehen können, den Szenenbildern aus "Lady and the Tramp" (Susi und Strolch), aus "Bambi", "Cinderella", "Peter Pan", "Snow White and the Seven Dwarfs" (Schneewittchen).

Die Ausstellung hat Werkcharakter und verschafft einen Überblick über Disney-Animationsklassiker mit Fokus auf "Sleeping Beauty". Dieser 1959 uraufgeführte Film gilt heute als bahnbrechend für die stilistische Entwicklung der Disney-Produktionen.

An "Sleeping Beauty" hat das Disney-Studio fast zehn Jahre lang gearbeitet. Alle Szenen wurden mit Schauspielern aus Fleisch und Blut gefilmt. Diese Aufnahmen dienten den Zeichnern als Vorlage. Das Schloss im Film ist weltbekannt: Neuschwanstein, das spätere Markenzeichen von Disneyland und der Disney Company. Hintergründe und die farbliche Gestaltung oblagen dem Maler, Zeichner und Illustrator Eyvind Earle. Er schuf einen Malstil abstrakter, detailreicher Realistik. Erstmals nach 45 Jahren sind die künstlerisch herausragenden Filmhintergründe Eyvind Earles zu "Sleeping Beauty" nun wieder öffentlich zu sehen.

Zur Abrundung laufen Filmausschnitte aus den "Drei kleinen Schweinchen", eine filmische Dokumentation der Entstehung von "Sleeping Beauty" und Teile des ersten farbigen Mickey-Mouse-Films, in dem Donald Duck erst eine kleine Nebenrolle spielte.

Walt Disney selbst hat die Arbeiten dem Stadtmuseum 1963 geschenkt. München bildete die letzte Station einer Europa-Tournee, um den Kinogehern "Sleeping Beauty" schmackhaft zu machen. Der Film drohte – heute unverständlich – die für damalige Verhältnisse hohen Produktionskosten von sechs Millionen Dollar nicht einzuspielen. Also schickte Disney zwei Wanderausstellungen in die Welt, eine nach Europa und eine nach Asien, denn er betrachtete das Werk als die Krönung seines Schaffens. Die asiatische Sammlung hat der Disney-Konzern 2008 zurückgekauft – man munkelt für die runde Summe von umgerechnet einer Million Euro. Die Münchner Sammlung bleibt im Besitz des Stadtmuseums und auch nach dem Ausstellungsende weiterhin für Fachleute und Fans zugänglich. "Wir werden den Schatz bewahren", verspricht Puppentheaterchef Manfred Wegner.
Doris Losch

Weitere Informationen:
www.stadtmuseum-online.de

Bild: Susi und Strolch. Foto: Disney. Walt Disney. Die Sammlung des Münchner Stadtmuseums

(Der Link wurde am 11.09.2008 getestet.)