Figurentheaterfestival in München


„Vor noch nicht allzu langer Zeit dominierten auch im Figurentheater die Männer. Jetzt aber beginnen junge Frauen sich immer mehr durchzusetzen“, stellt Mascha Erbelding fest, künstlerische Leiterin des internationalen figurentheaterfestivals, das vom 7. bis 11. November im Münchner Stadtmuseum die Puppen tanzen lässt. Veranstalter ist die Gesellschaft zur Förderung des Puppenspiels in Zusammenarbeit mit dem Münchner Stadtmuseum, der Israelitischen Kulturgemeinde und dem Jüdischen Museum.

In vielen Inszenierungen ziehen Frauen die Fäden als Spielerinnen oder Regisseurinnen. Gezeigt wird die unendliche Bandbreite des Figurentheaters. Sie reicht vom Fingerspiel (Sixfingers Theatre) bis zum Einsatz von Papierfiguren (Engel in Fetzen von Hedwig Rost, Licht in der Nacht von Patricia O’Donovan) und Video-Kameras (Intimitäten von Iris Meinhardt) mit Vorstellungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

Festival-Motto ist „Gegen Über Neben An“ “ Nachbarschaft in all ihren Facetten. Eröffnet wird die Festwoche im Jugend- und Kulturzentrum der Israelitischen Kultusgemeinde, die am St. Jakobs-Platz mit der Synagoge und dem Jüdischen Museum seit einem Jahr ein neues kulturelles Zentrum Münchens bildet. Zu den künstlerischen Höhepunkten zählen unter anderem „Romeo und Julia “ Liebe und Tod in der Küche“ von Alexandra und Eva Kaufmann und die Ausstellung „Babuschka unendlich“ mit Zeichnungen der israelischen Künstlerin und Dichterin Hatumal Fishman. Die Babuschka oder Matrjoschka “ die bunt bemalte Puppe in der Puppe “ nimmt Hatumal Fishman zum Anlass, die harte Außenschale oder Schutzhülle von Frauen deren geheimen Träumen und Innenwelten gegenüber zu stellen und auf versteckte Wunden zu deuten. Parallel zu „Gegen Über Neben An“ bietet sich die seltene Gelegenheit, Grafiken und Figuren der Münchner Jüdin Maria Luiko zu erleben. Unter anderem werden ihre für das Münchner Marionettentheater jüdischer Künstler zwischen 1924 und 1937 gebauten Puppen gezeigt. Maria Luiko wurde 1941 in Kaunas/Litauen ermordet.

Im Vorprogramm des internationalen figurentheaterfestivals laden Schülerinnen der Abiturklasse des Theresia-Gerhardinger-Gymnasiums gemeinsam mit der Theatergruppe Lo-Minor des Jugend- und Kulturzentrums der Israelitischen Kultusgemeinde zu „KleinKunst und VielKlang, ein Abend unter Nachbarn“ ein. Auf dem Programm stehen Tanz, Akrobatik, Schauspiel, Musik. Das Gymnasium ist ebenso wie die Israelitische Kultusgemeinde und das Alten- und Service-Zentrum Altstadt unmittelbarer Nachbar des Stadtmuseums. Stummfilmfreundinnen erwartet ein cineastischer Leckerbissen: Am 11. November lässt das Filmmuseum im Münchner Stadtmuseum „Der Golem, wie er in die Welt kam“ von 1920 über die Leinwand flimmern, stilecht begleitet von dramatischen Klavierklängen. Ein weiterer Veranstaltungsort ist das Schwabinger Lichtspielhaus Schauburg, wo u.a. Romeo und Julia “ Liebe und Tod in der Küche gezeigt wird.
Doris Losch

Weitere Informationen:
figurentheater-gfp.de/

(Der Link wurde am 06.11.2007 getestet.)
Bild: Schwestern Alten- und Service-Zentrum Altstadt mit Schülerinnen der Abiturklasse des Theresia-Gerhardinger-Gymnasiums “ alles begeisterte Anhängerinnen vom Figurentheater. Foto: Doris Losch