37. Filmschoolfest Munich: Filme mit Tiefgang

München. – Festivalleiterin Diana Iljine charakterisiert die 44 während des diesjährigen Filmschoolfests gezeigten Filme aus 17 Ländern als Werke „mit Tiefgang, bei denen familiäre Verstrickungen und Wirrungen im Mittelpunkt stehen, die Flucht und Migration behandeln, bei denen aber auch das ‚Storytelling‘, das Geschichtenerzählen von A bis Z wieder stärker in den Vordergrund rückt“.

Es ist immer wieder spannend zu sehen, mit welcher emotionalen Tiefe die jungen Filmemacherinnen und Filmemacher ihre Geschichten erzählen. In wenigen Minuten erlauben Sie uns, in Welten zu blicken, die uns eben noch verschlossen waren“, so Diana Iljine. Sie leitet die Veranstaltung seit 2011.

Das diesjährige Motto lautet „Watch Me If You Can“. Auf die Zuschauer wartet ein in zehn Programme aufgegliedertes cineastisches Kaleidoskop. Die versammelte Presse hatte vorab das Vergnügen, zwei anrührende bzw. vergnügliche Filme zu sehen: „Les Dauphines“ (Belgien)von Juliette Klinke und „About the Birds and the Bees“ (Finnland) von Janne J. Vanhanen. Der finnische Beitrag überzeugte dank des augenzwinkernd vermittelten Themas (ein Kondom ist vorzeitig abgerutscht) und des für deutsche Ohren unwiderstehlichen finnischen Originaltons (englische Untertitel).

Katzenfreunde seien eindringlich gewarnt: Im Programm 5 wird „Call of Cuteness“ gezeigt, ein Animationshorrorfilm, quasi ein Gegenstück all der so entzückenden Youtube-Videos mit den Samtpfoten.

Bei den Filmen mit familiärem Bezug arbeiten manche Teilnehmer eigene Erlebnisse auf wie die niederländische Filmemacherin Tessa Pop, die in „The Origin of Trouble“ ihren Vater dazu befragt, warum er in ihrem Leben nicht präsent war. Im polnischen „Time to go“ ist der Vater nicht so fürsorglich wie seine Tochter bisher dachte. In „The Elusive“ aus Belgien findet eine Mutter plötzlich keinen Zugang mehr zu ihrem pubertierendem Sohn.

Zu den „universellen Geschichten“ zählen u.a. „Waiting Time“: Eine Frau wartet nächtens auf den letzten Bus, allein, wäre da nicht dieser Mann…

Das erste Sonderprogramm der Studierenden der Hochschule für Film- und Fernsehen brilliert u.a. mit „Herr und Frau Müller“, die 45 Jahre verheiratet sind, als der Mann einen Schlaganfall erleidet mit der Folgediagnose Locked-in-Syndrom, und dem schrägen „I love my hairlegs“, eine Collage mit Bildern von behaarten Frauenbeinen!

Seit 1981 findet das Internationale Festival der Filmhochschulen München (so die ursprüngliche Bezeichnung) statt. Es gehört zu den wichtigsten Nachwuchsfestivals. Die ausgewählten kurzen Spiel-, Dokumentar- und Animationsfilme konkurrieren um gut dotierte Preise. Viele internationale bekannte Filmemacher haben in München ihre ersten Kurzfilme präsentiert wie Caroline Link, Susanne Bier, Florian Henckel von Donnersmarck, Lars von Trier.

Die diesjährigen Preise summieren sich auf ca. 70.000 Euro. Einer der Stifter ist die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern mit dem Reformationspreis, Hauptsponsor ist Hofbräu München.

Filmschoolfest Munich: 20. Bis 25. November im Filmmuseum am St. Jakobsplatz, München. 21. Bis 24. November in der Hochschule für Film und Fernsehen am Bernd-Eichinger-Platz, München, finden die Filmschool Lectures statt (freier Eintritt).
Autorin: Doris Losch


Weitere Informationen:
www.filmschoolfest-munich.de
www.facebook.com/filmschoolfest

 

Titelbild: Filmschoolfest – Plakat 2017