Filmpremiere auf arte: „Starke Frauen in der Kunst“/Gabriele Münter

Straßbourg/Frankreich.- Am Sonntag, 12. November, zeigt arte um 17.30 Uhr erstmals den in Koproduktion mit dem Bayrischen Rundfunk entstandenen Dokumentarfilm „Starke Frauen in der Kunst“ von Marieke Schroeder. Gabriele Münter (1877 – 1962) spielt dabei die Hauptrolle, war sie doch in einer Zeit, als Künstlerinnen abfällig als „Malweiber“ und „ungesund männlich“ diffamiert wurden, die Erste, welche selbstbewusst die Berufsbezeichnung „Künstlerin“ wählte.

GABRIELE MÜNTER, Porträt, um 1921, Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung, München © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Viel zu lange nahm man(n) sie nur als „Lebensgefährtin von Wassili Kandinsky“ wahr. Sie selbst schreibt 1926 in ihr Tagebuch: „Ich bin in vielen Augen doch nur eine unnötige Beigabe zu Kandinsky“.

Der Film „Starke Frauen in der Kunst“ macht an vielen Beispielen bewusst, dass die Werke von Frauen bis heute niedrigere Preise am Kunstmarkt erzielen. Werke von Louise Bourgeois (1911 – 2010) beispielsweise gelten zwar als die teuersten Werke von Frauen. Die Preise erreichen aber noch lange nicht „männliche“ Höhen.

Als weitere Beispiele wurden in der von der Kunstkritikerin Eva Karcher geführten Diskussion bei der Filmpremiere u.a. genannt die Skulpteurin und Malerin Phyllida Barlow (geboren 1944) und die Bildhauerin Isa Genzken (geboren 1948), die kurze Zeit mit dem inzwischen hochpreisigsten Künstler der Welt, Gerhard Richter, verheiratet. Ihre Werke allerdings kosten „natürlich“ wesentlich weniger als Richters.

GABRIELE MÜNTER, Drei Frauen im Sonntagsstaat, Marshall, Texas 1899/1900, Foto: Gabriele Münter Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung: © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Carolee Schneemann (1939 geboren), Performancekünstlerin und Malerin, wird in dem Film ebenfalls vorgestellt. Sie ist eine der wichtigsten Künstlerinnen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, gelangte aber erst spät zu wirklicher Anerkennung.

Humor kommt übrigens glücklicherweise nicht zu kurz, etwa mit Sophie Schmidts eindrucksvoller „Operation mit Spargel“ oder das als Schlussgag sich herausmäandernde Bein im Karton.

Matthias Mühling, Direktor des Lenbachhauses, stellte während der Diskussion fest: „Museen neigen dazu ‚Big Names‘ auszustellen, um Besucherzahlen zu bekommen. Diese Namen aber sind bis heute männlich.“ Doch er sei sicher, dass die Gabriele Münter-Ausstellung „alle Rekorde brechen“ werde.

Ohnehin stelle die aktuelle Genderdiskussion die starre Rollenverteilung „weiblich – männlich“ in Frage. Die Grenzen zwischen den Geschlechtern sind bekanntlich heute sehr fließend und unscharf. Und das ist gut so.
Autorin: Doris Losch

Weitere Informationen:
www.arte.tv/de

Titelbild: GABRIELE MÜNTER, Blick aus dem Fenster in Sèvres, 1906, Textiler Bildträger, 38 × 46 cm, Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München, Inv.-Nr. G 11770, Foto: Lenbachhaus: © VG Bild-Kunst, Bonn 2017