Impfen – ja oder nein? Woher beziehen die Deutschen ihre Informationen zu Gesundheitsthemen?

 

 

 

 

Der große Masernausbruch vergangenen Jahres scheint dies zu bestätigen: Knapp 2.500 Menschen erkrankten 2015 in Deutschland an der vermeintlichen Kinderkrankheit, die schon längst hätte ausgerottet werden können. (2) Nun stellt sich die Frage, warum die Impfbereitschaft so verhalten ist.
Liegt es an fehlendem Bewusstsein, Zeitmangel oder eher an nicht ausreichenden Informationen?

Hausärzte als erste Anlaufstelle nehmen sich zu wenig Zeit

Das Thema „Gesundheit“ gewinnt für die Deutschen immer mehr an Bedeutung – und das Bewusstsein der eigenen Gesundheit ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Aber woher beziehen die Deutschen ihre Informationen zu Gesundheitsthemen? Der Hausarzt ist für diese Fragen immer noch die erste Anlaufstelle.
 

 

Bildunterschrift/Infografik (r.): Woher beziehen die Deutschen Informationen zu Gesundheits- und Impfthemen? 
Die Deutschen greifen auf vielfältige Informationsquellen zurück, wenn es um die Beantwortung gesundheitlicher Fragen geht. Dies hat eine von GlaxoSmithKline durchgeführte Umfrage zum deutschen Gesundheitsbewusstsein ergeben. Die erste und wichtigste Informationsquelle ist für die Befragten ihr Hausarzt. Er ist für 61,7 Prozent erster Ansprechpartner rund um die gesundheitliche Aufklärung, während direkt danach auf Rang zwei schon das Internet steht. 55,9 Prozent informieren sich über Suchmaschinen. Die dabei gelieferten Suchergebnisse führen viele wiederum zu Forenbeiträgen, in denen Gesundheits- und Impfthemen zusammen mit anderen diskutiert und Erfahrungen ausgetauscht werden können (13,4 Prozent). Für 32,4 Prozent dienen zudem Gesundheitsportale, in denen Themen mit Krankheitsbezug kompakt und oftmals auch für Laien verständlich aufbereitet sind, als Informationsquelle. 35,4 Prozent beziehen ihre Informationen dagegen aus Zeitungen oder Zeitschriften. 28,9 Prozent fragen überdies direkt bei ihrer Krankenkasse nach, wenn sie gesundheitliche Auskunft benötigen. Zusätzlich beziehen 25,8 Prozent ihr Gesundheitswissen aus TV-Beiträgen. Lediglich 13,3 Prozent nutzt Broschüren, die bei Behörden erhältlich sind, wogegen für 11,7 Prozent Gesundheits- und Impfthemen gänzlich uninteressant sind.

 

Rund 62 Prozent der Umfrageteilnehmer lassen sich von Allgemeinmedizinern über Impfungen aufklären (s.o. Infografik). Fast drei Viertel davon fühlen sich dabei gut beraten. Dem entgegen steht allerdings die Aussage, dass sich manche Hausärzte nur wenig Zeit für eine intensive Beratung nähmen und somit ihre Pflicht als Informationsvermittler vernachlässigten: Rund 42 Prozent der Befragten geben an, dass sie gezielt und aktiv nach Empfehlungen für Impfungen fragen müssten.

Darüber hinaus behauptet rund ein Prozent, ihr Hausarzt kenne sich selbst nicht gut auf diesem Gebiet aus. 1 Bei der Umfrage von GlaxoSmithKline mit Tomorrow Focus Media wurden insgesamt 792 Teilnehmer im Alter zwischen 25 und 50 Jahren im September 2015 im FORAG Opinion Pool zu ihrem Gesundheitsbewusstsein gefragt. 2 Epidemiologisches Bulletin Nr. 49, 07. Dezember 2015.

Informationsbeschaffung im Internet und in Printmedien

Auf dem zweiten Platz folgen dann schon das Internet und die Suchmaschinen. Knapp 56 Prozent nutzen diese zur Aufklärung über Impfungen. Gezielt in Onlineportalen sucht etwa ein Drittel der Befragten. Foren liegen im Ranking eher hinten. Dem gegenüber stehen die Printmedien. Ob in Tageszeitungen oder Zeitschriften – über 35 Prozent der Umfrageteilnehmer nutzen diese Quellen. Wie des Weiteren aus der Umfrage hervorgeht, wird die Tonalität in den Printmedien als überwiegend positiv empfunden. Im Internet fällt sie vorrangig neutral aus. Wird negativ über Impfungen berichtet, dann eher im Internet.

Das mag vor allem an der überwältigenden Informationsflut sowie den Impfgegnern liegen, die dort die Möglichkeit haben, ihre kritischen Stimmen zu äußern.

Deutschland ist beim Impfen zu nachlässig – sagen die Deutschen 

Rund die Hälfte der Befragten glaubt, dass Deutschland aufgrund der Nachlässigkeit beim

Impfstatus noch nicht masernfrei sei. Rund 13 Prozent wissen selber nicht, welche Impfungen sie eigentlich brauchen und nur 39 Prozent lassen diese regelmäßig auffrischen. Dies legt die Vermutung nahe, dass die Wichtigkeit von Schutzimpfungen noch nicht ausreichend im Bewusstsein vieler Deutscher verankert ist. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat nun das Ziel der Maserneliminierung auf 2020 verschieben müssen. Bei den Masern handelt es sich um eine Infektionskrankheit, die nur beim Menschen vorkommt. Mittels durchgängiger Durchimpfungsraten von 95 Prozent könnte sie deshalb – ohne ein Tier-Reservoir – auch ausgerottet werden.

Bei der Umfrage gaben in diesem Zusammenhang nur 59 Prozent an, gegen Masern, Mumps und Röteln geimpft zu sein. Dabei sollten nicht nur alle Kinder zweimalig mit der Kombinationsimpfung gegen Masern, Mumps und Röteln immunisiert werden. Der Rat der Ständigen Impfkommission (STIKO) richtet sich nun insbesondere an alle nach 1970 Geborenen. Diejenigen, die vor diesem Zeitpunkt geboren wurden, haben die Erkrankung in der Regel bereits durchgemacht. In den 1970er Jahren wurde dann zunächst nur einmalig geimpft, sodass diese Personengruppe nun die Impfung einmalig nachholen sollte. Während der Schutz vor einer Ansteckung nach einmaliger Impfung etwa 94 bis 95 Prozent beträgt, steigt die Impfeffektivität nach der zweiten Dosis auf bis zu 99 Prozent (3) an.

Deutschland: Land der Impfmuffel? 

Die Ergebnisse der Umfrage zeigen, dass die Deutschen sowohl im Hinblick auf Impfthemen als auch in Bezug auf einen vollständigen Impfstatus deutliche Lücken aufweisen. Zwar stellen das Internet und die Printmedien einen Zugang zu einem breiten Wissensschatz von Gesundheitsthemen her. Dennoch belegt der Hausarzt den ersten Platz, wenn es um die Informationsbeschaffung geht. Der Großteil der Befragten fühlt sich von diesem ausreichend beraten – viele merken allerdings an, als Patient die Initiative ergreifen zu müssen, um eine Auskunft über Schutzimpfungen zu erhalten.

 

Bildunterschrift (l.): Knoten ins Taschentuch oder Terminkalender? Keine Frage: Impftermine sollten unvergessen“ eingehalten werden

 

Die gesundheitliche Aufklärung seitens der Mediziner ist im Zusammenhang mit Impfungen demnach ausbaufähig – sowohl auf informativer als auch auf zeitlicher Ebene. Um die Impfbereitschaft in Deutschland also zu erhöhen, gilt es, die Thematik mehr ins Bewusstsein der Gesellschaft zu rücken, eine flächendeckendere Aufklärung zu betreiben und Überzeugungsarbeit zu leisten.
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1 Bei der Umfrage von GlaxoSmithKline mit TOMORROW FOCUS MEDIA wurden insgesamt 792 Teilnehmer im Alter zwischen 25 und 50 Jahren im September 2015 im FORAG Opinion Pool zu ihrem Gesundheitsbewusstsein gefragt.
2 Epidemiologisches Bulletin Nr. 49, 07. Dezember 2015.
3 http://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/Impfen/MMR/FAQ-Liste_Masern_Impfen.html

 

Weitere Informationen:
www.impfen.de

 

Titelbild: Die Hausärztin/Hausaryzt belegt den ersten Platz, wenn es um die Informationsbeschaffung zum Thema Schutzimpfung geht.