Stiftung Warentest: Pille danach – bald ohne Rezept erhältlich

Jetzt steht fest: Die bislang noch geltende Rezeptpflicht für die zwei Präparate auf dem deutschen Markt – Ellaone und PiDaNa – wird fallen. Die Arzneimittelexperten der Stiftung Warentest haben beide Wirkstoffe bewertet.

Die „Pille danach“ kann in Deutschland bald ohne Rezept in der Apotheke gekauft werden. Die Europäische Kommission hat am 7. Januar 2014 europaweit die Rezeptpflicht für das Präparat Ellaone mit dem Wirkstoff Ulipristalacetat aufgehoben. Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) gab daraufhin bekannt, dass es der Entscheidung der Kommission folgen werde.

Auch das Präparat PiDaNa mit dem Wirkstoff Levonorgestrel soll von der Rezeptpflicht befreit werden, wie das Ministerium auf Anfrage von test.de erklärt. So werde das BMG „das deutsche Recht für beide Präparate, die derzeit auf dem Markt sind, schnellstmöglich anpassen“. Frauen haben so bei der rezeptfreien „Pille danach“ die Wahlmöglichkeit.

Die Stiftung Warentest bewertet das Präparat PiDaNa als geeignet, Ellaone nur als mit Einschränkung geeignet. Da die Beratung für die „Pille danach“ zukünftig nicht mehr durch einen Arzt erfolgen muss, setzt das BMG auf gute Beratung in den Apotheken. Das Ministerium werde jetzt „die Frauenärzte, die Apotheken und das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte dazu einladen, gemeinsam Kriterien für eine qualitativ hochwertige Beratung zu entwickeln“. Die Bundesapothekerkammer begrüßte die Entscheidung der EU-Kommission. Wann genau die „Pille danach“ in der Apotheke ohne Rezept erhältlich sein wird, steht aber noch nicht fest.

Hintergrund zur „Pille danach“: Kondom gerissen, Anti-Baby-Pille vergessen oder Sex ohne Verhütungsmittel riskiert – durch Verhütungspannen in der fruchtbaren Phase des Zyklus können Frauen ungewollt schwanger werden. Seit Jahren haben sie die Möglichkeit, in dieser Situation mithilfe der „Pille danach“ die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft deutlich zu verringern.

Allerdings ist die Beschaffung aufwendig: Die Frauen müssen sich möglichst rasch nach dem Sex ein Rezept von einem Arzt ausstellen lassen, der nicht unbedingt ein Gynäkologe sein muss. Am Wochenende sind Bereitschaftsärzte und Krankenhäuser die Ansprechpartner – das bedeutet oft lange Anfahrtwege und Wartezeiten. Doch Zeit ist ein entscheidender Faktor: Je früher eine Frau die Pille danach einnimmt, desto geringer ist das Risiko einer ungewollten Schwangerschaft – am sichersten wirken die Mittel bis zu 24 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr.

Später liegen die Erfolgschancen deutlich niedriger. Je nach Präparat kann die Pille danach insgesamt nicht länger als 72 oder 120 Stunden zuverlässig eine Schwangerschaft verhindern. Die Wahrscheinlichkeit einer Befruchtung ist an den zwei Tagen vor dem Eisprung am höchsten. Ab Beginn der letzten Periode findet er im Durchschnitt am 14. Tag statt. Abhängig von der Zykluslänge und Lebensumständen kann er auch früher oder später eintreten.

Weitere Informationen:
www.test.de

Titelbild: Je eher Frauen nach einer Verhütungspanne die „Pille danach“ einnehmen, umso besser lässt sich eine ungewollte Schwangerschaft verhindern. Foto: Stiftung Warentest