dgk: Krank durch Arbeitslosigkeit


Es ist eine Tatsache, dass bestimmte Arbeitsbedingungen die Gesundheit nachhaltig schädigen und sogar die Lebenserwartung verkürzen können. Ebenso kann aber auch langfristige Arbeitslosigkeit krank machen, denn wer seinen Job verliert, fühlt sich oft ausgegrenzt und erlebt mit einem damit verbundenen sozialen Abstieg einen psychosozialen Dauerstress, der zu Erkrankungen führen kann.

In der Arbeitswelt gab und gibt es bekanntlich gesundheitsschädigende Faktoren, die heute zum Teil durch gesetzlich verordnete Maßnahmen zum Gesundheitsschutz beseitigt worden sind. Nicht nur die Staublunge bei Bergleuten und der Umgang mit Asbeststaub bei Bauarbeitern forderten viele Opfer, bis dieser krebsfördernde Baustoff gesetzlich verboten wurde. Auch Maler und Friseure können durch den ständigen Umgang mit bestimmten chemischen Substanzen Allergien bekommen. Schichtarbeiter leiden oft unter einem gestörten Schlaf-Wach-Rhythmus. Ein beachtlicher Stressfaktor ist die Lärmbelastung am Arbeitsplatz, die beispielsweise Bluthochdruck und Herz-Kreislauferkrankungen auslösen kann. Schließlich können einseitige, schwere körperliche Belastungen zu chronischen Rückenbeschwerden führen. Und auch psychische Erkrankungen durch Stress und Überlastung am Arbeitsplatz haben seit 1997 um 70 Prozent zugenommen.

Doch auch Arbeitslosigkeit kann krank machen. Wie sich die seelische Belastung durch Langzeitarbeitslosigkeit auswirkt, haben Sozialmediziner untersucht. Die Ergebnisse sind alarmierend: ihr Gesundheitszustand ist durchwegs schlechter als der von Berufstätigen und reicht vom Verlust der Lebensfreude über körperliche und psychische Erkrankungen bis zum Anstieg von Alkoholproblemen. Arbeitslose Männer sind zehnmal häufiger von der Suchproblematik betroffen als berufstätige Geschlechtsgenossen. Sogar die Lebenserwartung nimmt ab, je länger die Arbeitslosigkeit andauert. Die Mediziner sagen: Wer hoffnungslos ist und sich überflüssig fühlt, verkraftet ernsthafte Erkrankungen schlechter und braucht auch länger zur Gesundung.

In Deutschland hängt das Selbstwertgefühl viel stärker von der Arbeit ab als in manchen anderen Ländern und Kulturen. Betroffene fühlen sich nicht mehr gebraucht, leiden unter ihrem vermeintlichen Versagen und ziehen sich oft von sozialen Aktivitäten zurück. Dabei kann gerade die Aufnahme ehrenamtlicher Aufgaben, in die man eigene Kompetenzen einbringt, das Selbstbewusstsein fördern. Sozialmediziner raten sogar, gezielt Kontakte aufzubauen. Auch gilt es, sich Strategien für die Arbeitssuche zurechtzulegen. Wenn der optimale Plan A nicht gelingt, bringt vielleicht Plan B mit notwendigen Kompromissen Erfolg. Für die spezifischen Gesundheitsbelastungen Arbeitsloser sind Arbeits- und Sozialämter leider nicht oder nur bedingt zuständig. Für dieses Problem sollte deshalb die Politik noch Antworten finden.
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Weitere Informationen:
ww.dgk.de

(Der Link wurde am 07.04.2010 getestet.)