Deutsche Schmerzliga: Linderung bei chronischem Schmerz


Bei vier bis fünf Millionen hat sich der Schmerz zu einer eigenständigen Erkrankung entwickelt. Pillen sind hier überhaupt nicht hilfreich. Erst das Zusammenspiel von Schulmedizin, Physiotherapie plus Einbeziehung von Psychotherapie bringt Hilfe.

Chronische Schmerzen beeinträchtigen die Lebensqualität massiv bis hin zum Verlust des Arbeitsplatzes und zu Vereinsamung aufgrund mangelnder sozialer Kontakte. Das Leben kreist nur um den Schmerz, ist von Depressionen und Angstzuständen bestimmt. Schmerzerkrankungen betreffen zum großen Teil den Bewegungsapparat, sprich Gelenke und Wirbelsäule. In den westlichen Industrieländern nehmen sie rasant zu – übrigens ebenso wie psychische Erkrankungen.

Chronisch ist ein Schmerz, wenn er länger als sechs Monate anhält und immer wiederkehrt,. Warum kehrt er immer wieder: Das Gehirn entwickelt ein "Schmerzgedächtnis", ständige Schmerzreize machen das Nervensystem überempfindlich und es reagiert selbst auf neutrale oder angenehme Reize mit Schmerzen. Chronischer Schmerz besteht weiter, auch wenn die körperliche Ursache geheilt ist. Gründe sind u.a. Unfälle, Stress, Erkrankungen, Überforderung, Persönlichkeitsmerkmale wie hohe Leistungsorientiertheit und Perfektionismus, Unzufriedenheit am Arbeitsplatz, Partnerschaftsprobleme.

Zur Lösung der Probleme müssen Ärzte wie Psychotherapeuten, Psychologen, Orthopäden, Neurologen und Chirurgen fachübergreifend zusammenarbeiten. Der Schmerz muss verstanden werden, denn er hat nicht allein eine Ursache. Eine einseitige Fixierung auf rein medizinische Maßnahmen kann die Chronifizierung sogar beschleunigen", wie auf einer Pressekonferenz der Bayerischen Psychotherapeutenkammer betont wurde.

80 bis 90 Prozent der Patienten empfinden nach der Behandlung eine deutlich höhere Lebensqualität und sind viel aktiver als zuvor. Zur Behandlung gehören beispielsweise Entspannungstechniken und Problemlösestrategien, Selbstwahrnehmung, das Wiederherstellen der Balance von Ruhe und Aktivität, der Abbau von Verhalten, das auf das Vermeiden von Schmerz ausgerichtet ist – die Patienten werden zu mehr Bewegung angeregt. Sie lernen wieder zu genießen – hierbei setzt etwa Interdisziplinäre Schmerzzentrum, Fachklinik Enzensberg in Hopfen am See auch eine Art kulinarische "Therapie in der Küche" ein – und positiv zu denken.
Doris Losch

Weitere Informationen:
www.schmerzliga.de
www.ptk-bayern.de

(Die Links wurden am 20.03.2010 getestet.)