Weißdorn stärkt müde Herzen


Man behandelt mit Extrakten aus Weißdornblättern und –blüten vor allem die chronische Herzinsuffizienz (Herzschwäche), die zu den häufigsten kardiologischen Erkrankungen gehört. Die Zahl der betroffenen Patienten steigt weltweit. Hierzulande werden zurzeit zwei Prozent der gesamten Gesundheitskosten für die Diagnostik und Therapie der Herzschwäche ausgegeben. Jüngste Forschungsergebnisse zeigen einen engen Zusammenhang zwischen seelischem Befinden und der Gesundheit des Herzens. Diese wirkt sich auch auf soziale Kontakte, Mobilität und insgesamt die Lebensqualität der Patienten aus.

Mehrere unterschiedliche Arzneimittel, die Weißdorn-Extrakte enthalten, sind frei erhältlich und wurden auch bisher schon als Selbstmedikation zur Behandlung leichter, chronischer Herzinsuffizienz genutzt. Doch wird das Leben von Menschen, die an einer Herzinsuffizienz leiden, durch die Einnahme eines Crataegus-Extrakts messbar verlängert? Um diese Frage ging es in einer weltweit ersten Mortalitätsstudie mit einem pflanzlichen Heilmittel, die vor kurzem abgeschlossen wurde. Studienleiter Professor Dr. Christian J.F. Holubarsch, Bad Krotzingen, berichtete in München über die Ergebnisse dieser Studie. Dabei stellte er fest: Weißdorn-Extrakte können die bei einer Herzschwäche auftretenden Beschwerden wirksam lindern, indem sie die Kraft des Herzmuskels erhöhen, vorhandenen Rhythmusstörungen des Herzens entgegenwirken und zu einer erwünschten Erweiterung der Gefäße führen.

Bei der gleichen Pressekonferenz berichtete auch die Internistin und Kardiologin Dr. med. Eva Westphal, Karlsruhe, über ihre Erfahrungen mit der Crataegus-Therapie. Sie erklärte, mit der Wirkung von Weißdorn steige auch die Lebensqualität von Herzpatienten. Sie untersuchte, inwieweit sich bei Patienten im Stadium II der Herzinsuffizienz mit Symptomen wie Müdigkeit, leichte Einschränkung der Leistungsbreite etc. unter einem moderaten Ausdauertraining mit und ohne Einnahme des oben erwähnten Weißdorn-Spezialextrakts die Lebensqualität verbesserte. Alle beteiligten Patienten hatten die Praxis wegen Leistungseinschränkungen im Alltag aufgesucht. Insgesamt wurden in die Studie 133 Patienten eingeschlossen. Während die eine Gruppe ihre Standardtherapie beibehielt und zusätzlich noch ein körperliches Ausdauertraining in Form von Walking oder Nordic Walking absolvierte, führte die andere Gruppe das gleiche Training durch und erhielt zweimal täglich eine Tablette Crataegus-Spezialextrakt. Die Studiendauer betrug 14 Wochen mit einem einmal wöchentlichen angeleiteten Training sowie einem ein – bis zweimaligen eigenständigen Training pro Woche. Das Ergebnis war, dass in der Kontrollgruppe mit der Weißdorn-Medikation nicht nur eine gewisse Leistungssteigerung festgestellt werden konnte, sondern auch eine Verbesserung der sozialen Einschränkungen, das heißt beispielsweise, dass die Kontakte zum Partner, zur Familie und zu Freunden sowie Hobbys leichter gepflegt werden konnten.
Dr. Isolde Bräckle