Vorsicht Buch!: Geschafft! Frauen machen Karriere in der Buchbranche

 

NEIN GEHT NICHT

 

 

 

 

Monika Kolb-Klausch, 50, Geschäftsführung mediacampus frankfurt, Bildungsdirektorin Börsenverein des Deutschen Buchhandels, Frankfurt am Main. Ihr Sohn ist 21 Jahre alt.


„Mit Freude beobachte ich, dass auch in unserer Branche immer mehr Frauen – vor allem junge Frauen – in führenden, auch Top Positionen, tätig sind. Vor allem auch Frauen mit Kindern. Es ist schön zu sehen, dass sich Rollen-verhältnisse wie selbstverständlich weiterentwickelt haben und vielfältige Familienszenarien möglich sind. Männer, die eine Familienzeit nehmen oder sich diese teilen oder Frauen, die alternative Betreuungsmöglichkeiten annehmen.

Mir gefällt dabei besonders, dass junge Frauen diese doppelte Verantwortung, nicht mehr scheuen und unter Beweis stellen, dass sie der Belastung nicht nur gewachsen, sondern sie professionell und souverän gestalten können. Dabei stelle ich sehr häufig fest, dass sie mit noch viel größerer Begeisterung und Power ihre Aufgaben wahrnehmen. Diese Vielfalt im Leben steigert die Leistungsfähigkeit, natürlich auch die Motivation.

Auch den Arbeitgebern gehört ein Lob. Immer häufiger bringen sie den Mut auf, brechen mit alten Rollenmustern und schaffen entsprechende Strukturen für Frauen in Führungsaufgaben. Insgesamt sehe ich eine positive und schöne Entwicklung.“

In den sehr ausführlichen Interviews geben wir im Ausschnitt die Antworten auf die Fragestellung „Wie erleben Sie das Thema 'Vereinbarkeit'? wider.

 

Christiane Frohmann, 46, Verlegerin orbanism, Frohmann Verlag, Berlin. Sie hat zwei Kinder

„Ich mache meine Regeln selbst, deshalb kann ich Arbeit und Familie ganz gut vereinbaren. In meinen Verlag investiere ich vor allem sehr viel Zeit, ich mache fast alles allein, so kann ich auf Investorenkapital verzichten und inhaltlich unabhängig bleiben. Wirtschaftlich funktioniert das im Augenblick nur, weil mein Mann klassisch Karriere gemacht hat und ich deshalb in den kargen Gründerjahren nicht viel zum Unterhalt der Familie beitragen muss. Um die nächste Frage vorwegzunehmen: Nein, unangenehm finde ich das nicht, weil ich fast zehn Jahre lang wegen unserer Kinder praktisch gar nicht gearbeitet habe. Nicht weil ich musste, sondern, weil ich wollte. Beim ersten Kind hatten mein Mann und ich noch beide gleich viel gearbeitet und betreut, beim zweiten Kind geriet ich dann in eine ganz andere Dimension von physischer und emotionaler Beanspruchung, ich hätte mir zu der Zeit gar nichts darüber hinaus vorstellen können. Dass wir als Familie immer wieder erfolgreich ausgelotet haben, wer gerade beruflich was genau will und wie wir das zusammen hinbekommen, ist natürlich nicht die Regel, sondern Glück. Mittlerweile arbeite ich ja nicht mehr ganz allein, sondern bei Orbanism mit Leander Wattig zusammen, der ähnlich antihierarchisch tickt, was zeigt, dass das nicht nur ein Frauending ist.

Vereinbarkeit heißt für mich, dass jede Frau – im Idealfall jede Person – sich ihrer Neigung und Lebenssituation angemessen mit ihrer ganz persönlichen Vorstellung von Arbeit, sozialem Leben und Erfolg einrichten kann. Nicht jede Frau will Karriere machen, Kinder haben oder Unternehmen gründen, aber jeder Frau sollte all dies offenstehen, wenn sie es möchte. Dazu braucht es immer noch bessere staatliche Unterstützung und vor allem weniger Menschen, die andere darüber belehren, was richtig oder falsch ist.