Elisa Bortoluzzi Dubach/Hansrudolf Frey: „Mäzeninnen – Denken-Handeln-Bewegen“

Hinter allem stehen dezidierte Konzepte und erklärte Absichten, die Welt ein wenig besser zu gestalten und vielen Menschen die Teilhabe daran zu ermöglichen. Ein Geben-und-Nehmen-Kreislauf, der sich keineswegs losgelöst vom gesellschaftlichen Dasein versteht, sondern nur dann funktioniert, wenn sich Güte, Verstand und soziales Engagement mischen. Mäzenatum eben – aber aus weiblicher Perspektive und weiblichem Impetus heraus. Das Autorenteam bezeichnet dies mit „Weibliche Philantrophie“.

Die Wahl der vorgestellten, in der Gegenwart lebenden Frauen, erfolgte fast willkürlich, ohne jedoch beliebig zu wirken. Ein knappes Dutzend Mäzeninnen berichten in Interviews über ihre Intentionen, ihre Vorgehensweise und angestrebten Ziele. So facettenreich ihre Beweggründe sind, eines bleibt ihnen gemeinsam: Sie bringen ihre Finanzmittel in Stiftungen ein, die Geldmittel werden wohlüberlegt an Menschen vergeben, die sonst keine Möglichkeit haben, ihre Projekte zu realisieren. Dabei bilden gesellschaftliche Relevanz, soziale Notwendigkeit, aber auch der Gedanke an weltweite Umverteilung von Geldern eine ausschlaggebende Vergaberolle.

Wie stets, wenn souveräne, mit sich im Einklang befindende Menschen, Wohltaten tun, machen sie davon kaum einer breiten Öffentlichkeit gegenüber großes Aufheben. Auch das scheint eine typische weibliche Eigenschaft zu sein, die sich in den „Mäzeninnen“-Portraits ablesen lässt.

Brikada-Bewertung: Nach einem Exkurs in die Historie des Mäzenatums sowie über den Wertewand „Weiblicher Philanthropie“ stellt das Autoren-Duo ein knappes Dutzend Mäzenatinnen vor. Die Interviews sind leicht lesbar, feuilletonistisch geschrieben, Lesefreude kommt auf.

Jedes Portrait ist eingerahmt von einem Foto der Interviewten und endet mit Hinweisen über ihre Stiftungstätigkeit. Wichtig auch das Buch abschließende Adressverzeichnis mit Verbänden, Netzwerken, Aus- und Weiterbildung.

Und das sind die Mäzenatinnen (in der Reihenfolge ihrer Vorstellung): Ise Bosch, Carolina Müller-Möhl, Mirjam Staub-Bisang, Hilde Schwab, Gilda Ripamonti Aletti Montano, Fürstin Maria von und zu Liechtenstein, Agnes Essl, Kathryn List, Liz Mohn, Janine Aebi-Müller, Alicia Soiron, Hortense Anda-Bürle, Denise Benedick, Marlies Kornfeld, Ingvild Goetz, Inge Rodenstock, Renata Babini Cattaneo-Premoli, Elena Mantagazza, Gisela Kutter, Susanna Tamaro.

Ein lesenswertes Buch, vor allem auch deshalb, weil es unaufdringlich, fein und klug Frauen in ihrer Wohltätigkeit sensibel erfasst und mit zurückhaltender Distanz beschreibt. 
Brigitte Karch

Bortoluzzi Dubach, Elisa / Frey, Hansrudolf: „Mäzeninnen Denken – Handeln – Bewegen“, gebunden, 17 x 24 cm, 248 Seiten, 21 Fotos, 45,90 Euro, ISBN: 978-3-258-07845-8, erschienen im Haupt Verlag, Bern.

Weitere Informationen:
www.haupt.ch

Titelbild: Umschlagbild: Karl Schmitt-Rottluff, Dr. Rosa Schapire, 1919, Öl auf Leinwand, 100,6×87,3 cm, ©Tate London; ©2014, ProLitteris, Zürich; Foto:©Tate London; 2014.
Rosa Schapire (1874-1954), deutsche Kunsthistorikerin, -sammlerin und Mäzenin. Sie förderte „Die Brücke-Künstler“, so auch den Maler Karl Schmitt-Rottluff.

 

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