Die Deutsche Kinemathek trauert um Helma Sanders-Brahms

Geboren 1940 in Emden, arbeitete Helma Sanders-Brahms nach einem Germanistikstudium in Köln beim Westdeutschen Rundfunk und begann 1970 ihren Weg als Filmemacherin, nach Hospitationen bei Sergio Corbucci und Pier Paolo Pasolini.

Aufsehen erregte 1975 "Shirins Hochzeit" als eine der ersten filmischen Reflektionen von Migrantenschicksalen in der Bundesrepublik. 1980 erschien "Deutschland, bleiche Mutter". Der Film, der sich mit Trauma und Schuld der Elterngeneration des Zweiten Weltkriegs und der Nachkriegszeit beschäftigt, wurde im Ausland zu einem Klassiker, löste in Deutschland jedoch eine Kritikerkontroverse aus. Er kam danach nur gekürzt ins Kino und wurde erst auf der Berlinale 2014 wieder in der Originalfassung präsentiert, restauriert von der Deutschen Kinemathek.

Auch in der Folge wurden Helma Sanders-Brahms' in Deutschland oft umstrittene Filme im Ausland als Meilensteine des Neuen Deutschen Films wahrgenommen und gefeiert. "Geliebte Clara", ein Film über das Dreiecksverhältnis zwischen Robert Schumann, Clara Wieck und Johannes Brahms, kam 2008 in die Kinos und wurde international ebenfalls zu einem beachtlichen Erfolg.

Auch als Autorin ist Helma Sanders-Brahms hervorgetreten, u.a. mit analytischen Betrachtungen zu den Beziehungen zwischen Gottfried Benn und Else Lasker-Schüler ("Giselheer und Prinz Jussuf", 1998) und zwischen Marlene Dietrich und Josef von Sternberg ("Marlene und Jo"), letztere basiert auf der umfangreichen Dokumentensammlung der Marlene Dietrich Collection Berlin in der Deutschen Kinemathek. 2013 erhielt Helma Sanders-Brahms die Ehrendoktorwürde der Universität Göteborg.

Ihre Filme werden seit 2011 im Filmarchiv der Deutschen Kinemathek bewahrt.

Weitere Informationen:
www.deutsche-kinemathek.de

Titelbild (Archivfoto, Detail): Helma Sanders-Brahms. Foto: Erika Rabau