Mathilde Rosier bei Kadel Willborn Düsseldorf

Will man die Darstellungskunst Mathilde Rosiers beschreiben, so beherrschen Tanz und Musik ihre Filme, Performances, Installationen und Gemälden. Es sind Erzählungen. Sound, Körpergesten und symbolhafte Motive erzählen ohne Worte, die Geschichten entziehen sich der rationalen Beschreibung. Es wird eine Stimmung, eine Ahnung von dem erzeugt, was gemeint sein könnte.

Bildtext (l.): Mathilde Rosier, C#AGB. 2013, gouache on collage, mounted on paper, 138 x 237 cm

Mathilde Rosiers aktuelle Ausstellung ist von ihrer langjährige Erfahrung mit Tanz und Körpergesten in Beziehung zur erzählerischen Darstellung von Zeit und Raum beeinflusst. Denn, „wenn der Körper bewusst beginnt sich zu bewegen, entsteht die Manifestation eines zunächst unsichtbaren, energetischen Felds, von dem aus alles beginnt“.

Die „Tänzer“ als großformatige Collagen bestimmen den Hauptraum der Galerie. Die Titel der einzelnen „Tänzer" sind Musiknoten, die aneinander gereiht eine von Mathilde Rosier komponierte Melodie ergeben. Die abstrakten Farbverläufe hinter den Tänzern bilden eine Synästhesie zu den verborgenen Tönen. Die Körper der Tänzer sind durch „Cut-Outs“ dekonstruiert, deren Umrisse verweisen auf vorangegangene oder folgende Bewegungen. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft „kollabieren“ ineinander und setzen sich gleichzeitig zu fortlaufenden Bewegungen zusammen.

Bildtext (r.): CA#F#G, 2013 gouache on collage, mounted on paper, 62 x 54 cm

Die Seiltänzer in Mathilde Rosiers Film In tension abs traction gymnastics sind derselben Spannung ausgesetzt. Das Filmbild zeigt in fester Einstellung zwei gespannte Seile vor schwarzem Hintergrund und wirkt ohne die Protagonisten wie eine abstrakte Malerei. Begleitet vom Sound elektrischer Gitarren, balancieren die beiden Tänzer immer wieder über die gespannten Seile, die durch die Bewegung zu vibrieren beginnen. Immer wieder verlieren sie die Balance und stürzen zu Boden. Wie die Tänzer der Collagen, können auch sie der eigenen körperlichen Präsenz und Schwerkraft nicht entkommen, die jedoch gleichzeitig Beginn aller Erzählung ist.

Über die Künstlerin: Mathilde Rosier (FR 1973) lebt und arbeitet in Berlin. Sie war zuletzt mit Einzelausstellungen und ihren Performances im Camden Arts Centre London (2011), Museum Abteiberg Mönchengladbach (2011), Serpentine Gallery (2010), Kunstverein Hannover (2012) und dem Musée Jeu de Paume Paris (kuratiert von Elena Filipovic 2011) zu sehen.
(Quelle: Kadel Wilborn Düsseldorf)

Weitere Informationen:
www.kadel-willborn.de

Titelbild: Mathilde Rosier „In tension abs traction gymnastics“, 2011 (Filmstill), HD Film, sound, performance, 12.47 min., loop. Mit freundlicher Unterstützung Kunstpalais Erlangen