Dr. Jutta Graf: „Ich wollte schon immer Wissenschaftlerin werden“


Das fast zweistündige Gespräch, mit Spannung vom Publikum mitverfolgt, erbrachte interessante Aspekte der erfolgreichen Karriere einer Frau, die sich beruflich in einem Männer-dominierten Arbeitsfeld bewegt.

Die 52-jährige Dr. Jutta Graf, aus Niederbayern stammend, studierte Meteorologie an der Universität München, wo sie auch promovierte. "Ich wollte schon immer Wissenschaftlerin werden. Naturwissenschaften haben mir so großen Spaß gemacht, dass ich nach dem Studium auch noch promovierte", berichtet Jutta Graf. 1989 nahm sie beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V.(DLR) als Jungwissenschaftlerin ihre Arbeit auf. Als sie ihr Kind bekam, konnte sie mit der Geschäftsleitung vereinbaren, dass sie in der ersten Zeit viel von zu Hause arbeiten durfte. Ein weiteres Entgegenkommen: im Betrieb wurden keine Besprechungen nach 16.00 Uhr anberaumt. Damals wie heute war das Arbeitsvolumen sehr groß und der Arbeitsalltag sehr lang. "Dennoch habe ich immer Zeit für mein Kind gefunden", erinnert sich Jutta Graf, räumt jedoch ein: "Ohne ein gut funktionierendes nachbarschaftliches Netzwerk wäre dies für mich als allein erziehende Mutter kaum zu bewältigen gewesen." Heutzutage fungiert Dr. Jutta Graf als Leiterin Standort DLR Oberpfaffenhofen. Sie gehört damit zu den wenigen Frauen, die einen Chefposten in einer Forschungseinrichtung in Deutschland innehaben.

Im DLR, das am Standort Oberpfaffenhofen über sechs wissenschaftliche Institute für Grundlagenforschung und über ein Raumfahrt- und Controllzentrum verfügt und als größter wissenschaftlicher Flugbetrieb in Europa gilt, sind derzeit etwa 1200 Mitarbeiter beschäftigt. Frau Graf fungiert gewissermaßen als "Klammer" zwischen den Instituten. Sie zeichnet unter anderen auch für den Bereich Öffentlichkeitsarbeit und Vertretung vor Ort verantwortlich. Darüber hinaus hält sie die Verbindung zur Politik auf Landes- und Kommunalebene.

Wie man das macht, als Frau in einem Männer dominierten Feld sich durchzusetzen? Jutta Graf antwortete: "Wir haben alles in Prozesssteuerung organisiert. Wenn man einmal die Zusammenhänge zwischen den Instituten verstanden hat, dann kann man das einigermaßen managen", betont sie und ergänzt: "Das läuft so gut, das wir für Prozessmanagement schon sehr viele Preise gewonnen haben."

Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern herrscht neben der Bezahlung nach BAT und leistungsabhängigen Zulagen etwa auch bei der Ausbildung. "Man wird nach Leistung und nicht etwa danach beurteilt, ob man Frau oder Mann ist", betont Frau Dr. Graf.

Darüber hinaus arbeitet jedes der sechs Institute in irgendeiner Form an Universitätsangeboten mit wie etwa der Betreuung von Doktoranden, das gilt gleichermaßen für Frauen und Männer. Im Bereich beruflicher Nachwuchsförderung engagiert sich das DRL in bemerkenswerter Weise. Das zeigt sich etwa in der Zusammenarbeit mit so genannten School Labs, das sind pädagogische Seminare, die in Schulen abgehalten werden. Ebenso beteiligt sich das DLR an Mentoringprogrammen und am jährlichen Girls´Day.

"Großes Organisationstalent, Verhandlungsgeschick, gute Kommunikationsfähigkeit und nicht zuletzt eine frühzeitig begonnene umfassende berufliche Ausbildung mit Promotion bilden wichtige Voraussetzungen, um als Frau in solch eine Führungsposition wie sie Dr. Jutta Graf innehat, aufzusteigen", resümiert Hildegard Kronawitter und fügt hinzu: "Man muss Respekt vor der Leistung von Frau Graf haben, denn alles in allem handelt es sich hier um eine unglaublich komplexe Führungsaufgabe mit einem schwierig zu steuernden Budget."

Weitere Informationen:
www.dlr.de
www.bayernforum.de

(Die Links wurden am 10.05.2008 getestet.)

Bild (v.l.): Dr. Jutta Graf und Dr. Hildegard Kronawitter.
Foto: Brigitte Karch