Katja Heppe produziert mit Chitosan Wirkstoffe für Medizin und Kosmetik


Chitosan ist ein aus Krabbenschalen gewonnenes, biologisch abbaubares Naturprodukt. Durch seine bindenden, glättenden und wachstumsfördernden Eigenschaften kann es in vielen Industriezweigen eingesetzt werden. Die 26-jährige Biotechnologin Katja Heppe hat jetzt in Halle die Firma „Medical Chitosan“ gegründet. Hier will sie Wirkstoffe von hoher, gleich bleibender Qualität für den medizinischen Einsatz nach den strengen Regeln guter Herstellungspraxis (GMP) produzieren. Nur wenige Chitosan-Anbieter können das begehrte Qualitäts-Zertifikat vorweisen. Das erhöht die Chancen des jungen halleschen Unternehmens auf dem Weltmarkt.

Ein wahres Wundermittel aus der Natur sei das, was Katja Heppe da auf den Schreibtisch kippt. Es sieht aus wie weiße, leicht durchscheinende, längliche Kartoffelchips. Am liebsten würde man sie sofort probieren. Doch halt, lacht die junge Frau, das schmeckt nach nichts, das riecht nicht mal, obwohl es aus Krabbenbeinen und Krebsschalen gewonnen wurde. Die Rede ist von Chitin, einem weißen, crackerähnlichen Stoff, der übrig bleibt, wenn man Kalk und Eiweiß aus den Krabben herausgelöst hat. Daraus wird nun Chitosan hergestellt, ein weißes Pulver, das man in verschiedenen Industriezweigen nutzen kann. Mehr als 200 Anwendungen sind heute bekannt.

Es bindet andere Stoffe, es macht weicher, glatter, glänzender, fester, es schlichtet, umhüllt, klärt und fördert Wachstum. Darum wird Chitosan auch überall eingesetzt: in der Umwelttechnik, als Flockungsmittel, in der Papier- und Textilindustrie, für Kosmetik oder als Nahrungsergänzungsmittel, in der Pharmazie oder Landwirtschaft.

Katja Heppe, die 26-jährige Diplom-Biotechnologin, beschäftigt sich durch die Berufe ihrer Eltern schon seit ihrem 15. Lebensjahr mit Chitosan und kennt die Segnungen des Wirk- und Werkstoffs. Schon frühzeitig hatte sie sich vorgenommen, ihre Karriere darauf aufzubauen. Studien- und Diplomarbeiten an der Universität Braunschweig (in Zusammenarbeit mit dem Paul Flechsig Institut für Hirnforschung in Leipzig) und am Biozentrum in Halle setzten sich mit Themen auseinander wie „Chitosan als potenzielles Transportvehikel zur Überwindung der Bluthirnschranke“. Die Forschungsergebnisse dazu hat sie als Patent angemeldet. Im August dieses Jahres hat sie ihre eigene Firma gegründet: Katja Heppe “ Medical Chitosan.

Bisher wird Chitosan überwiegend in Asien hergestellt, China zum Beispiel ist ein großer Lieferant. Doch da es sich um ein Naturprodukt handele, habe es immer verschiedene Qualität, erläutert Katja Heppe. „Ich will Chitosane für den medizinischen und pharmazeutischen Bereich und für Kosmetika produzieren“, sagt die Existenzgründerin, „deshalb haben meine Kunden einen hohen Qualitätsanspruch“. So arbeitet Katja Heppe jetzt in ihrer jungen Firma, die sich in Halles hochmodernem Technologie- und Gründerzentrum angesiedelt hat, an den Kriterien, die die bedarfsgerechte Produktion ermöglichen.

Damit sie höhere Chancen auf dem Weltmarkt hat, wird Heppe nach GMP-Bedingungen produzieren. Das Zertifikat will sie sich 2006 erarbeiten. Deshalb ist sie gerade dabei, eine Dokumentation zu erstellen, in der Arbeitsschritte, Herstellungsanweisungen etc. enthalten sind.
Ein konkretes Projekt der Biotechnologin befasst sich mit Chitosanfasern, die unter anderem als Nahtmaterial in der Chirurgie eingesetzt werden können. „Fühlen Sie mal, wie weich das ist“, sagt die junge Frau, als sie die langen Fäden präsentiert, die sie wie Wolle um ihre Handgelenke gespannt hat. Chitosan, das Naturprodukt, werde vom Körper als nicht fremd erkannt, das Material baue sich selbst wieder ab. Ein Riesenvorteil, wenn Operationswunden damit vernäht werden. Katja Heppe ist noch immer fasziniert, was die Natur für Möglichkeiten geschaffen hat. Sogar künstliche Haut könne hergestellt werden. Nach Verbrennungen zum Beispiel fördere Chitosan die Bildung neuer Haut, decke ab gegen Keime und sei dabei luftdurchlässig. Sie schmunzelt: „Man kommt nicht los vom Chitosan“.

Die Unterstützung, die die Leipzigerin bei ihrer Firmengründung in Halle erfahren habe, sei „unwahrscheinlich motivierend“ gewesen. Egal ob Dr. Petra Sachse von der halleschen Wirtschaftsförderung, Prof. Dr. Wolfgang Lukas als Chef des Technologie- und Gründerzentrums und andere vom Technologiepark weinberg campus “ sie alle hätten ihr geholfen, in ihre neue Rolle als Unternehmerin hinein zu wachsen. Durch Vermittlung von Kontakten, Einladungen zu Messen, Suche nach Firmenräumen.

Die Autorin Marlene Köhler war in Halle a.d.S. unterwegs und führte das Interview mit der Jungunternehmerin Katja Heppe. Der Text wurde leicht gekürzt.