Edeltraut Rosenfeld – Erfinderin der „Krawatterie“ in Halle/Saale (Nachbericht)


Es ist nur ein kleiner Raum mit zwei Nähmaschinen, einem Zuschneide- und einem Bügeltisch. Doch die schönen Dinge aus Seide, die hier in der Krawatten-Manufaktur der Edeltraut Rosenfeld entstehen, erobern inzwischen die ganze Bundesrepublik. Das ist kein Wunder, ist doch „Die Krawatterie“ in Halles Altstadtmeile die einzige Werkstatt im ganzen Land, die Krawatten nach Maß und mit Motiven auf Kundenwunsch anfertigt.

Die Idee dafür kam Edeltraut Rosenfeld in Siena, bei einem Italienurlaub. Da gab es Maßkrawatten, und die gebürtige Hessin, die durch den Beruf ihres Mannes 1999 nach Halle an der Saale gekommen war, sah für sich eine neue Aufgabe. Eigentlich in der Reisebranche zuhause, war ihr Hobby schon immer Nähen und Seidenmalerei. Also zeichnete sie und entwickelte ein eigenes Geschäftskonzept. 2002 eröffnete sie ihr Geschäft, damals noch etwas versteckt liegend in der halleschen Zenkerstraße. Im Juni dieses Jahres ist Edeltraut Rosenfeld umgezogen in die Schmeerstraße, nur drei Fußminuten näher an den Marktplatz heran.

Sogar die umliegenden Kaufhäuser und Herrenausstatter schickten ihre Kunden schon in die Krawatterie, da sie nur mit Schlips-Einheitslängen von 150 Zentimetern dienen könnten, die aber nicht jedem passen. Ihre Stammkunden zwischen Hamburg, Frankfurt, München und Stuttgart, die telefonisch bestellen, wissen das. 30 Prozent ihrer Kunden stehen auf Maßkrawatten. Aber wie geht das, Krawatten nach Maß am Telefon bestellen? Manche der Herren waren durch Dienstreisen schon mal im Geschäft, von denen habe sie die Maße, erzählt Rosenfeld. Andere teilten ihre Halsweite, Oberkörpermaße etc. mit. Dann wären vom Kunden noch die Länge und Breite der Krawatte, Farbe und Muster zu bestimmen sowie die Entscheidung zwischen einfachem und doppeltem Knoten zu treffen. Stoffproben schicke sie auf Wunsch vorher zu. Drei Wochen später bekommt der Mann seine hand- und maßgefertigte Krawatte per Post geliefert.

Erfolgreich mit Krawatten-Vitrine im Maritim-Hotel
In Halles Maritim-Hotel hat Edeltraut Rosenfeld eine Vitrine mit etwa 20 verschiedenen Krawatten aus ihrer Kollektion ausgestellt. Mit modernen Designs oder beliebten Motiven aus Mitteldeutschland von Bach, Bauhaus und Händel über „Fünf Türme“ bis zur „Straße der Romanik“. Ministerpräsident Wolfgang Böhmer trägt sie, auch andere Mitglieder der Regierung und führende Politiker des Landes Sachsen-Anhalt binden sie gern um, die Romanik-Krawatte aus der halleschen Manufaktur. Edeltraut Rosenfeld hat sich eine Artikel- und Fotosammlung angelegt, in der abgebildete Persönlichkeiten ihre Krawatten tragen. Auch bei Fernsehinterviews hat sie die schmückenden Accessoires aus ihrem Hause schon oft wiedererkannt. Den Hans-Dietrich Genscher würde sie gern einmal mit einer Halle-Krawatte sehen, und der bekennende Krawatten-Sammler Manfred Krug (über 3.000 Schlipse soll er besitzen) könnte in ihrem Laden fündig werden.

Fast alle Motive hat die 56-Jährige selbst entworfen, manche davon im Auftrag vom Land, von Gemeinden, Vereinen, Firmen. Die Seide wird nach dem Entwurf in Como (Italien) gewebt, die Stoffballen im Paket nach Halle geschickt. Dann kann es losgehen: Frau Rosenfeld und ihre schöpferische Schneidermeisterin Ursula Schlothauer, seit 2002 in der Manufaktur angestellt, schneiden die Krawatten einzeln von Hand zu. Auch die letzte Naht und das Passantinum (der Steg auf der Innenseite) entstehen in Handarbeit. Das patentrechtlich geschützte Firmen-Logo der Krawatterie, das als Garantiezeichen für höchste Qualität gilt, ist in den seidenen Futterstoff der Krawatten eingewebt. Es basiert auf dem historischen Wappen der Stadt Halle, die bis ins 19. Jahrhundert ein Zentrum der Salzgewinnung war. Die Sterne stehen für die Salzkristalle, die weit geschwungene Sichel symbolisiert die Salzschale. So wirbt jede Rosenfeld-Krawatte ein bisschen für Halle und Sachsen-Anhalt.

„Der Krawattenverkauf bei uns im Hotel läuft gut“, sagt Maritim-Verkaufsassistentin Katharina Schmidt. „Viele Gäste möchten noch mehr über das Geschäft der Frau Rosenfeld erfahren, fragen nach dem Standort oder informieren sich an der Rezeption über weitere Einzelheiten.“ Auch zu dem hier ausgestellten „Overtie“, eine der jüngsten Erfindungen der Edeltraut Rosenfeld, käme manche Frage. Der patentierte Kleckerschutz für Schlipse kann im Hotel-Restaurant ausprobiert werden. Es geht ganz einfach: Man(n) steckt das eigene textile Stück in die größere Überzug-Krawatte aus Damast oder Leinen, die mit Flecken durch Bratensoße oder Ketchup spielend fertig wird, da man sie waschen kann. Die mit etwa 20 Euro preiswerten Schutzhüllen sollen inzwischen gern auch als Geschenke für Geschäftspartner und Freunde geordert werden.

Zur „Overtie“-Erfindung kam jüngst die „Krawattine“, ein Transportbehälter aus feinstem Leder, in dem man bis zu sieben Krawatten knitterfrei aufbewahren kann. Ideal für Geschäftsleute, die die ganze Woche unterwegs sind. Und viele weitere Ideen werden in der deutschlandweit einzigartigen Manufaktur umgesetzt. Eine Schmuckkollektion aus reiner Seide, Ringe, Ketten, Broschen, gefärbt in satten Tönen, wird als Neuheit angeboten. Taschen aus Seide für die Dame, passend zur Krawatte des Herrn, gibt es zu kaufen, jede ein Unikat; ebenso sind Krawatten für Ladys, einzeln oder im Partnerlook zur Herrenkrawatte, erhältlich. Außerdem Seidenwesten, Krawattenschals, wildseidene Fliegen, Einstecktücher, Krawattennadeln und anderes Zubehör. Zusammen mit der Künstlerin Cornelia Gerhold aus Zeitz wurden Krawatten mit gesprühten Bildern entwickelt. Mit Hilfe dieser Airbrush-Technik können Motive wie Sternzeichen oder Tiere nach Kundenwunsch gestaltet werden.

So viel Kreativität hat nicht nur Auszeichnungen zur Folge wie den Preis „Marketing Chance“, der Edeltraut Rosenfeld 2003 vom Magdeburger Marketing-Club verliehen wurde. Sie schafft auch Arbeitsplätze. Noch im September wird die Unternehmerin eine Aushilfsschneiderin zusätzlich einstellen, da die Aufträge rapide zunehmen werden, je näher das Weihnachtsfest rückt. Und die Diplom-Textildesignerin Anke Trautmann, Absolventin der halleschen Kunsthochschule Burg Giebichenstein, kann ihren Webstuhl in der Krawatterie aufstellen und vor Ort außergewöhnliche Kundenwünsche erfüllen. Edeltraut Rosenfeld denkt zum Beispiel an exklusive Seidenschals, dazu passende Accessoires für den Partner; selbstverständlich alles Unikate. Auch das wird einmalig in ganz Deutschland sein.

ssh/Fotografin und Autorin: Marlene Köhler (marlenekoehler-halle@web.de)

Bildtext: Edeltraut Rosenfeld fertigt in ihrer Krawatten-Manufaktur in Halle Unikate aus Seide an. Handtaschen für die Dame entstehen zum Beispiel in Partnerlook zur Krawatte des Herrn.

Hinweis: Der Text von Autorin Marlene Köhler „Von Maßkrawatten und anderen Unikaten. Die ‚Krawatterie‘ in Halle versorgt Kunden in ganz Deutschland “ Chefin
Edeltraut Rosenfeld ist kreative Erfinderin“ wurde leicht gekürzt.