women&work-Erfinderinnenpreis: Mehr Mut Erfinderin und Unternehmerin zu werden

Nürnberg. – Hedy Lamarr, Schauspielerin und Erfinderin des Frequenzsprungverfahrens, Grundlage für das heutige Bluetooth. Emmy Noether, Begründerin des modernen Algebras, Nicole Cliquot, erfand das Rütteln und Degorgierens von Champagner. Oder etwa Lise Meitner – sie beschrieb als Erste die physikalisch-theoretische Erklärung der Kernspaltung. Wer kennt ihre Namen und weiß, welch umwälzende Erfindungen sie machten?

Wer da meint, das Thema Erfindungen sei eine rein männliche Domäne, hat Recht und doch Unrecht. Recht deswegen, weil Erfindungen scheinbar nur von Männern gemacht werden. Unrecht, weil es einfach nicht stimmt. Doch auch hier fehlt es an Gleichberechtigung, an sichtbar werden lassen, welch hervorragende Erfindungen von Frauen gemacht werden.

Wie das positiv verändert werden kann, zeigt der im Rahmen der Fachmesse iENA erstmals verliehene women&work-Erfinderinnenpreis. Ausgelobt vom Team um Melanie Vogel, Initiatorin der women&Work, Europas größtem Messe-Kongress für Frauen, wurden am 2. November 2017 drei Frauen mit dem women&work-Erfinderinnenpreis ausgezeichnet.

Nadine Sydow, bekannt aus „Die Höhle der Löwen“, Dr. Julia Borggräfe und Sonja Andjelkovic sind die glücklichen Preisträgerinnen.

Nadine Sydow. Foto: ©Brigitte Karch

Nadine Sydow erhält den women&work-Erfinderinnenpreis in der Kategorie „Technologie/Umwelt“ für ihre patentierte Erfindung „Schnexagon® “. Dabei handelt es sich um einen ökologischenr Schutzanstrich zur innovativen Schneckenabwehr. Er vernichten nicht die Schmecken, sondern hält sie nur davon abhält, den Schutzanstrich zu überwinden.

Sonja Andjelkovic. Foto: ©Brigitte Karch

In der Kategorie „Geschäftsmodell & Organisation“ gewinnt Sonja Andjelkovic mit ihrer Erfindung „Afara Academic Publishing“. Diese neuartige Datenbank stellt Primärquellen und Forschungsergebnisse für hiesige ForscherInnen bereit und ermöglicht den beteiligten AkademikerInnen in den Partnerregionen (derzeit vornehmlich in Afrika) durch den Verkauf ihrer Publikationen eine Chance auf Einkommen.

 

Dr. Julia Borggraefe. Foto: ©Brigitte Karch

Der dritte Preis in der Kategorie „Service & Sozial“ geht an Dr. Julia Borggräfe. Sie hat ein Vergütungsmodell zum Equal Pay entwickelt und umgesetzt, das eine systematische Analyse von Faktoren ermöglicht, die für eine aufgabengerechte, geschlechtsneutrale Vergütung von Bedeutung sind. Von ihrer Erfindung konnte Frau Borggräfe bereits die Messe Berlin überzeugen, die nun ihr Vergütungsmodell in die Praxis umgesetzt hat.

Ausgewählt wurden die Preisträgerinnen von einer unabhängigen Jury – darunter unter anderem Joachim Bader, Präsident des Europäischen Erfinderverbandes (AEI) und PD Dr. Elke Holst, Forschungsdirektorin und Leiterin des Forschungsbereichs Gender Studies beim DIW – Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung.

Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries sagt in ihrem Grußwort zum Erfinderinnenpreis: „Wenn wir über Erfinder reden, denken viele noch in erster Linie an Männer. Dabei wird vergessen, dass Frauen als Erfinderinnen von jeher auf allen Gebieten Bahnbrechendes geleistet haben. Daher danke ich den Initiatoren der women&work für ihr Engagement, in diesem Jahr erstmalig den Erfinderinnenpreis zu verleihen. Er wird die Leistungen von Erfinderinnen sichtbarer machen und den Blick auf den weiblichen Erfindergeist lenken.“

Melanie Vogel. Foto: ©Brigitte Karch

Die ausgezeichneten Erfinderinnen zeigen weitaus mehr „als nette Ideen oder Frauengedöns“, betonte Melanie Vogel in ihrem Statement. Vielmehr sind sie Vorbilder und vermitteln Impulse, weiblichen Erfindergeist hervorzuheben. Sinngemäß hob Melanie Vogel die zusätzliche Bedeutung der drei Preisträgerinnen hervor, die mit ihren Erfindungen proaktiv die Zukunft gestalten. Ein Wandel zeigt sich gegenwärtig im selbstbewusstem Auftreten von Frauen, die immer häufiger Start-ups gründen.

Gruppenbild: Sonja Andjelkovic (5.v.l.), Dr. Julia Borggräfe (6.v.l.), Melanie Vogel (7.v.l.), Nadine Sydow (8.v.l.); Boris Böhme (3.v.l.), Joachim Bader (4.v.r.), und Henning Könicke 3.v.r.). Foto: ©Brigitte Karch

Den wirtschaftlichen Aspekt unterstrich auch Boris Böhme, Ministerialrat im Bundeswirtschaftsministerium. In seiner Keynote betonte er: „Die drei Preisträgerinnen sind exzellente Erfinderinnen mit faszinierenden Ideen. Das Bundesministerium ermutigt alle Erfinderinnen, die von uns angebotene Hilfestellung auf dem Weg zur Vermarktung der Erfindung anzunehmen! Denn Wirtschaft wird in der Wirtschaft gemacht – man darf damit auch Geld verdienen,“ fügte Böhm schmunzelnd hinzu.

 

 

 

 

„Es gibt viele Frauen mit großen Erfindungen, die einen wichtigen Beitrag für Gesellschaft, Wirtschaft und Industrie geleistet haben. Dennoch gibt es ein großes ungenutztes Erfinderpotential, gerade bei Frauen. Die Gründe dafür sind vielfältig und doch besteht dieses Problem weltweit. Wir möchten dieses Thema voranstellen und Frauen im Erfinderwesen (be-)stärken, deshalb bieten wir speziell Erfinderinnen einen kreativen Rahmen mit internationalen Kontakten und der Möglichkeit zum Austausch. Mit dem Erfinderinnenpreis hoffen wir, eine breite Öffentlichkeit für das Potential von Erfinderinnen zu gewinnen. Wir möchten mehr Frauen für dieses Thema begeistern und sie ermutigen ihr eigenes kreatives Potential auszuschöpfen.“ Henning Könicke, Projektleiter Erfindermesse iENA, Geschäftsführer der AFAG Messen und Ausstellungen GmbH Nürnberg

 

Die internationale Fachmesse „Ideen – Erfindungen – Neuheiten“ iENA findet von 2. bis 5. November 2017 im Messezentrum Nürnberg statt. Am 4. und 5. November wird sie von der START Messe Nürnberg begleitet. Diese bietet Informationen rund um die Themen Unternehmens-Gründung, -Finanzierung, -Nachfolge und Franchising.
(Quelle: women&work/iENA/bk.)

Weitere Informationen:
https://www.facebook.com/pg/brikada/videos/?ref=page_internal
Erfinderinnen.womenandwork.de
www.iena.de
www.afag.de

 

Titelbild (v.l.): Dr. Julia Borggräfe, Sonja Andjelkovic, Nadine Sydow und Melai Vogel. Foto: ©Brigitte Karch