Für Sie aufgespürt: MEDICA 2017: Mit Digitalisierung der Medizin zu einem völlig neuen Gesundheitswesen

Düsseldorf. – Roboter sind auf dem Vormarsch. Sie können mittlerweile operieren, Spritzen setzen oder – wie kürzlich bekannt wurde – auch Zahnimplantate einsetzen. Die Digitalisierung der Medizin schreitet mit Riesenschritten voran. Was beispielsweise mit der KI (Künstliche Intelligenz) inzwischen im Medizin- und Gesundheitsbereich alles möglich ist, zeigt die MEDICA 2017. Leider haben nur Fachbesucher Zutritt. Sie gilt als die größte Veranstaltung für die Medizinbranche und findet vom 13. bis 16. November 2017 in Düsseldorf statt.

Aus der Fülle der Angebote haben wir für die Brikada-Leserinnen eine besonders interessante Neuheit aufgespürt: sie heißt „Izzy“ und ist ein weiblichen Chatbot basierend auf dem Facebook-Messenger. Was „Lizzi“ alles kann, darüber berichtet Dr. Hajnalka Hejja, Medical Doctor, Founder & CEO Smart Health UG aka MediLad.

„Izzy is your friend. She understands you and helps you being prepared by keeping track of your menstrual cycle“, wer bei Facebook `Izzyperiod´ in die Suchmaske eingibt, stößt auf diesen Satz. Er ist bereits mehr als tausend Mal geteilt worden und hat bis Ende August mehr als 750 Kommentare erzeugt. Das wäre prinzipiell nichts Außergewöhnliches, wäre `Izzy´ eine Person. Es handelt sich jedoch um einen Chatbot. Solche textbasierten Systeme, mit denen jeder in natürlicher Sprache online kommunizieren kann, sind weltweit auf dem Vormarsch und auch im Gesundheitswesen wird ihnen ein großes Entwicklungspotenzial zugeschrieben. Zu Themen und Trends, die die Digitalisierung der Medizin besonders prägen werden, bietet das MEDICA HEALTH IT FORUM im Rahmen der mit mehr als 5.000 Ausstellern weltführenden Medizinmesse MEDICA 2017 in Düsseldorf (13. – 16. November) einen spannenden Über- und Ausblick. Von Künstlicher Intelligenz (KI), `Precision Medicine´, Internetmedizin über Big Data und `Participatory Health´ sowie eben auch Chatbots reicht die diesjährige Bandbreite des seit Jahren etablierten Forums.

„Wir entwickeln einen weiblichen Chatbot basierend auf dem Facebook-Messenger. Sie heißt Izzy“, startet Dr. Hajnalka Hejja, Medical Doctor, Founder & CEO Smart Health UG aka MediLad, ihre Erklärung. Heija ist eine der Referentinnen beim MEDICA HEALTH IT FORUM in der Session „In case of discomfort ask your chatbot – intelligent Robots and Apps enter the Healthcare Ecosystem“ (Montag, 13. November, ab 13:20 Uhr). Izzy ist eine Gefährtin für junge Frauen, die mehr über reproduktive Gesundheit erfahren wollen. Sie soll zwar nicht bei der Verhütung einer Schwangerschaft helfen. Dies überlässt Smart Health UG aka MediLad anderen Anbietern.

Der Bereich tragbarer Technologien, kurz `Wearables´, wartet mit vielen Neuheiten auf und das gilt auch für den Einsatz fernab vom Standard-Fitness-Tracking. Auf dem großen Wearable Technologies-Gemeinschaftsstand in Halle 15 präsentieren Start-ups Spannendes für den Einsatz in der Medizin. Foto © Messe Düsseldorf / ctillmann/Medica16

Die erste Anwendung von Izzy ist die Vorhersage von Menstruation und Eisprung. Der Unterschied zu Apps: Es muss keine App bzw. Software installiert werden und die Interaktion gestaltet sich komplett anders. Denn es findet quasi ein Gespräch zwischen Userin und dem weiblichen Chatbot (via Facebook Messenger) statt. Die Eingabe von wenigen Daten reicht aus, um den Verlauf des Menstruationszyklus hinreichend genau zu erfassen.

Bislang seien es laut Dr. Hajnalka Hejja vorrangig junge Frauen aus den USA und Großbritannien, die diesen Dienst nutzten. „Obwohl Izzy bislang ausschließlich englischsprachig ist, gibt es aber auch einige deutsche Nutzerinnen“, so Heija. Der Chatbot-Dienst richte sich an alle jungen Frauen, die in einem sozialen Umfeld aufwachsen, in dem Gespräche über Schwangerschaftsaspekte schwierig bis unmöglich seien. Die Nutzung von Izzy ist dabei kostenfrei, obwohl natürlich auch für einen Service wie diesen eine Finanzierung sicherzustellen ist.

Hejja räumt dabei zwar ein, dass die Nutzung von Chatbots im Gesundheitswesen zurzeit noch relativ ungewöhnlich sei: „Dies wird sich aber ändern, weil sich die Gesellschaft ändert. Das sehen wir auch für Deutschland so.“

Deutschland sei ein guter Standort, um hochqualitative Anwendungen im Gesundheitswesen zu etablieren, berichtet Hejja. Es gebe zahlreiche private Versicherungen und private Anbieter, die bereit seien, für diese innovative Form der Information und Kommunikation zu zahlen. „Geplant ist, besondere Services mit Firmen zu entwickeln, deren Zielgruppe weiblich ist. Wir suchen derzeit nach Partnern auf diesem Gebiet“, berichtet Hejja. Izzy solle sich in der Folge zu einem Marktplatz für weibliche Gesundheitsprodukte entwickeln, wobei die Kommunikation über den Facebook Messenger aus Sicht von Smart Health UG aka MediLad nur der erste Verbreitungsweg sei. Weitere Messenger-Dienste wie Telegram oder Kik sollen folgen.
(Quelle/Autor: Dr. Lutz Retzlaff, freier Medizinjournalist, Neuss)

Weitere Informationen:
www.medica.de

 

Titelbild: Der Bereich tragbarer Technologien, kurz `Wearables´, wartet mit vielen Neuheiten auf. Foto: © Messe Düsseldorf / ctillmann/Medica16