Alice Sara Ott: „Es ist sehr wichtig, dass die jungen Musik-Talente gezielt gefördert werden!“

Alice Sara Ott ist eine deutsch-japanische Pianistin. Die gebürtige Münchnerin (Jahrgang 1988) hat als erfolgreiche Nachwuchskünstlerin zahlreiche Musik- und Klavierwettbewerbe gewonnen. Im Rahmen des „Festival der Nationen“ 2017 (22.9. – 30.9.2017) im Kurhaus Bad Wörishofen wird Alice-Sara Ott das Abschlusskonzert am Klavier mitgestalten. Die vielseitig begabte 29-Jährige beweist aber auch auf anderen Gebieten ihr künstlerisches Können.

Frau Ott, Sie reisen nicht nur mit den berühmtesten Orchestern und Dirigenten durch die Welt, Sie entwickeln auch eigene Projekte, sind Markenbotschafterin für diverse Unternehmen und haben auch noch Ihre eigene Taschenkollektion entwickelt und erfolgreich auf den Markt gebracht. Woher kommt Ihr vielseitiges Interesse und woher nehmen Sie die Zeit, Energie und Inspiration für all diese unterschiedlichen Projekte?

Zeit ist etwas, das man sich einteilen kann, denn alles ist eine Frage der Prioritäten und ich finde, man hat genug Zeit! Als Kind war „Momo“ von Michael Ende eines meiner Lieblingsbücher und ich denke, dieses Buch ist aktueller denn je – eigentlich sollten es die Erwachsenen lesen. Es beschreibt unsere momentane Zeit, in der es darum geht, dass einem die Zeit gestohlen wird und wir müssen lernen, einfach einmal nein zu sagen.
Als kleines Kind habe ich immer gerne gemalt und geometrische Figuren gezeichnet. Auch sind Design und Shoppen meine Leidenschaften, natürlich gerne online. So kann ich mir meine Wohnung, oder wie gerade aktuell, die meiner beiden Freundinnen, die mich dafür „beauftragt“ haben, genauso wie ich mir das vorstelle und egal wo ich gerade bin, gestalten und einrichten.

Abgesehen davon bin ich im Jahr 70 Prozent unterwegs, da ist es mir ein tatsächliches Herzensanliegen, selbst etwas kreieren zu können, das ich auch benutze und stets sollte an dieser Stelle Funktionalität Design treffen! Das war auch der Anspruch an meine eigene Taschenkollektion, die JOST für mich perfekt umgesetzt hat. Vielleicht kommt das auch von meinen japanischen Wurzeln und der aus der japanischen Kultur stammenden Faltkunst, auch Origami genannt, wo weder Klebstoff noch Nägel oder Ähnliches gebraucht werden.

Alice Sara Ott 2016. Foto: © Jonas Becker

Nach dem erfolgreichen Chopin-Projekt mit dem isländischen Komponisten Ólafur Arnalds und Ihrem letzten Album „Wonderland“, was steht als nächstes auf Ihrer Agenda?

Ein Pariser Album! Ich habe als Konzeptalbum noch nie ein französisches Album gemacht. Nächstes Jahr feiert Claude Debussy seinen 100. Todestag und neben ihm kenne ich natürlich Ravel, Satie und Poulenc noch gut aus meiner Studentenzeit. Mich fasziniert die Zeit, in der diese Komponisten gelebt haben gerade im Bezug auf die Kunstwelt, Anfang des 20. Jahrhunderts, die Belle Époque. Das war die Zeit, in der das Gutbürgertum auf den Kopf gestellt wurde und wovon wir heute noch profitieren.

Gibt es denn in Ihrem Leben einen Komponisten, zu dem Sie eine besondere Verbindung haben, oder den Sie in bestimmten Lebenssituationen gerne spielen, wie Franz Liszt beispielsweise, dessen Werke einige Ihrer Alben prägen und dessen Werk „Totentanz“ Sie uns beim Festival der Nationen präsentieren werden?

Franz Liszt spielt in meinem Leben schon eine sehr große Rolle, mein erster Klavierlehrer war auch ein Ungar. Liszt stößt leider immer wieder auf Missverständnisse, von wegen, sein Werk sei eine reine „Tastenklopferei“. In meinen Augen ist die h-moll Klaviersonate von Franz Liszt eines der tiefgründigsten Werke der Musikliteratur überhaupt. Virtuosität ist für mich die Fähigkeit, den Ton so erklingen zu lassen, wie man es sich vorstellt und die wahre Kunst von Liszt ist es, dass er die Menschen mit Musikalität erfasst und sie damit beglückt. Ich hoffe, dass ich Ihnen das beim „Totentanz“, den ich beim diesjährigen Festival der Nationen spielen werde, im Zusammenspiel mit den Orchestermusikern nahebringen kann.
Meine erste große musikalische Liebe ist natürlich Johann Sebastian Bach und seine „Goldberg-Variationen“ eines Tages einzuspielen zu dürfen, ist ein großer Traum von mir! Bach spiele ich immer, wenn ich zur Ruhe kommen möchte.

Das Festival der Nationen ist geprägt von international renommierten Künstlern und Nachwuchstalenten. Bei der Abschlussgala wird als Nachwuchskünstler auch der Geiger Daniel Lozakovich zu hören sein. Wie wichtig ist es für Sie, junge Talente zu fördern?

Alice Sara Ott 2016. Foto: © Jonas Becker

Ich finde die Förderung junger Talente existenziell. Aus meiner Sicht ist es jedoch sehr wichtig, dass die jungen Talente gezielt gefördert werden und sich die Karriere nicht zu schnell entwickelt. Hierfür ist ein gutes Zusammenwirken von Künstler, Elternhaus, Agentur und CD Label erforderlich.

Das Festival der Nationen, in dem wir Sie bereits im Jahr 2014 erleben durften, findet in Europas wohl bekanntestem Kneippheilbad, Bad Wörishofen, statt. Jedes Jahr zieht es eine große Zahl an Gästen ins Allgäu. Sie bezeichnen sich oft als der Natur sehr verbunden, haben zudem zur Hälfte bayerische Wurzeln. Was ist für Sie das Besondere am Festival der Nationen in Bad Wörishofen?

Energie tanken und die frische Landluft einatmen, das gibt mir jetzt viel mehr, seit ich mitten in Berlin wohne und auch in zahlreichen Metropolen dieser Welt gastiere. Dass ich während des Festivals bei meinen Eltern am Ammersee schlafe und auch im Vorfeld ein paar Tage bei ihnen verbringen werde, sagt ja schon alles, wie wichtig mir die Natur und auch meine Heimat ist und irgendwann werde ich sicher auch einmal das Kneippen probieren, vielleicht sogar schon im Rahmen dieses Bad-Wörishofen-Besuchs.
(Quelle: Fuchs PR & Consulting)

Titelbild: Alice Sara Ott 2016. © Jonas Becker