Landesmuseum Mainz: Schweres Beweismittel – Das Konsolengesims aus Mainz

Als Stadt wuchs Mainz sehr schnell und besaß neben allen Annehmlichkeiten des römischen Lebens, befestigte Straßen, Thermen, einen Hafen auch ein großes Theater, das wohl mehr als 10.000 Gästen Platz bot. Da die Römer ihre Städte und Bauwerke oft weiterentwickelten und alte Bauten durch neue ersetzten, ist von dem ursprünglichen Theater aus dieser frühen Zeit nur ein schwergewichtiges Beweismittel erhalten geblieben. Es ist ein mehr als eine Tonne schwerer Steinblock, der kunstvoll behauen als Teil eines Konsolengesimses die große Kunst der römischen Steinmetze eindrucksvoll demonstriert. Als Fundamentstein für einen Altar überlebte er zweitverwertet mehr als 1800 Jahre in Mainz und dient jetzt als extrem schweres Beweismittel für die Existenz des nicht mehr erhaltenen ersten XL-Theaterbaus der Römer.

Die römische Kultur machte große Anleihen bei den Griechen, gerade was Kultur, Glaube aber auch Wissenschaft & Technik betraf. Zwischen den Jahren 120 v Chr. und 150 n Chr. erreichte die technische Entwicklung im Römischen Reich ihren Höhepunkt. Die Römer hinterließen uns erstaunliche Bauwerke: Aquädukte, Straßen, Thermen mit Fußbodenheizung, kunstreiche Tempelanlagen und faszinierende Theaterbauten. Obwohl sie bei weitem nicht das Werkzeug von heute hatten, erschufen die römischen Baumeister Tempelanlagen, öffentliche Gebäude und Theater von bisher unbekannter Dimension in einer enormen Geschwindigkeit und Qualität.

Durch mathematisches Wissen, perfekte Logistik und innovative Bautechniken wurden diese Meisterleistungen umgesetzt. Für sie diente die Mathematik als Grundlage zur Baustatik, Materialphysik und der räumlichen Formgebung. Sie war die notwendige Voraussetzung zur Prüfung der Umsetzbarkeit. Ein heute ebenso unverzichtbares Material wurde damals schon sehr erfolgreich eingesetzt: Beton. Im Alten Rom schätze man „opus caementitium“ sehr und realisierte damit zum Beispiel in Rom den Bau des Pantheon mit seiner über 43 Meter hinwegschwingenden Kuppel.

Ganz ohne Beton schufen die virtuosen Steinmetze den schwergewichtigen Steinquader, der eines der herausragenden Ausstellungsstücke der Landesausstellung „vorZEITEN“ in Mainz ist. Er ist ein ganz besonderes Kunstwerk seiner Epoche und Teil des faszinierenden archäologischen Themenbereiches „Römerzeit“ im Landesmuseum Mainz.

Über „vorZEITEN – Archäologische Schätze an Rhein und Mosel“

Schätze spielen in der Kulturgeschichte der Menschen seit Jahrtausenden eine ganz besondere Rolle. Der Reichtum an archäologischen Schätzen macht Rheinland-Pfalz so einzigartig. Die hier gefundenen und geretteten Artefakte aus vielen Tausend Jahren wie „fliegende Mäuse“, „tanzende Frauen“ und „trierisches Tafelsilber“ wurden weltberühmt. Unter dem Titel „vorZEITEN – Archäologische Schätze an Rhein und Mosel“ feiert Rheinland-Pfalz mit einer außergewöhnlichen Sonderausstellung 2017 in Mainz seinen 70. Geburtstag und das 70. jährige Bestehen seiner renommierten Landesarchäologie.

Noch bis 29. Oktober 2017 können Kulturreisende aus ganz Europa diese herausragenden Funde im Landesmuseum Mainz erleben.
(Quelle: © 04-2017 by CAB-Artis)

Weitere Informationen:
www.landesmuseum-mainz.de/ausstellungen/ausstellungsvorschau/vorzeiten

Titelbild: Konsolengesims aus Mainz. Foto: © Tim Hufnagl, by GDKE 2017 Landesmuseum Mainz