KIL Kulturverein Isar Loisach: „Kopf über Stöckelschuh“

 

Es ist ja wirklich Herausragendes erreicht worden. Nach nur knapp 200.000 Jahren Menschheitsgeschichte und nur 2000 Jahren christlicher Kulturgeschichte wurde in Deutschland schon 1918 das Frauenwahlrecht ausgerufen. Obwohl der große Max Plank vehement dagegen war, konnten Frauen sich schon Ende des 19.Jahrhunderts an deutschen Universitäten immatrikulieren, in Freiburg und Heidelberg waren sie bereits 1900 als ordentliche Studierende zugelassen, Restdeutschland zog Zug um Zug nach.

Seit 1977 schon darf eine Frau in Deutschland ohne Zustimmung ihres Ehemannes außer Haus arbeiten, im Haus ohne Bezahlung ja zum Glück immer schon. Bereits seit 1969 gilt eine verheiratete Frau in Deutschland als geschäftsfähig und seit 1958 gar darf sie ohne Zustimmung ihres Mannes sogar selber einen Führerschein machen. Also, wenn das in dem Tempo weitergeht, dann kann einer Frau hierzulande bald schwindlig werden.

Ohne dass das hiesige Landkreisparlament (Bad Tölz/Wolfratshausen) darüber hätte abstimmen müssen, hat der Vorstand des KIL e.V. – Kulturverein Isar Loisach kurzerhand beschlossen, den großen Unternehmen in Deutschland und ihrer Frauenquote von 30% in den Aufsichtsräten doch einfach mal voraus zu gehen. Die diesjährigen Geretsrieder Kulturtage „mit Pinsel, Pauke, Poesie“ haben eine quasi 100prozentige Frauenquote. Frauen haben zwischen dem 24.11. und 29.11. die Hosen an, den Hut auf und zeigen Kunst, Können und „Kopf über Stöckelschuh“. Es treten (fast) nur weibliche Künstler vor Frauen, Männern, Inländern, Ausländern, Kleinen, Großen, Armen und Reichen auf.

Neben Bildung und Weiterbildung, schönen Bildern, unschlagbarem Witz, herrlicher Musik, bester Unterhaltung und gutem Essen und Trinken sei nicht vergessen, dass Frauen trotz guter Ausbildung und guten Bildungsabschlüssen durch außerhäusliche Arbeit immer noch über 22 % weniger verdienen als Männer, dass sie den überragenden Teil der Hausarbeit und Kindererziehung leisten und trotz ihrer Arbeit und Leistungen deutlich mehr von Altersarmut betroffen sind als Männer, woran für die nahe Zukunft auch das 2008 mit Rückwirkung bis 1977 beschlossene neue Unterhaltsrecht maßgeblichen Anteil hat. Ein eher doch eher beschämender Zustand für eine Hochkultur wie die unsrige in Deutschland und ein Umstand, über den nachzudenken sich lange über das Festival hinaus noch lohnt.

 

 

Zur musikalischen Unterstützung der Denkarbeit wurde im Frühjahr dazu der Sirenen-Chor (Foto rechts) ins Leben gerufen. Mit einer gelungenen Auswahl origineller Lieder philosophiert hier ein kunterbunter Frauenhaufen singend zum Thema Mann und Frau und allem dazwischen. Und wieso überhaupt „Sirenen-Chor“? Weil ganz genau genommen die Lage für die Frauen ja noch immer zum Aufheulen ist. Doch die Frauen auf der Bühne (diesen Sonntag) werden in solchen Tönen zu hören sein, die dem ein oder anderen Herrn im Publikum den Kopf total verdrehen werden und aus Sicherheitsgründen angeraten werden kann, sich wie dermaleinst Odysseus an seinen Stuhl bzw. wahlweise an die neben ihm sitzende Gattin anketten zu lassen … die Sirenen können für nichts garantieren.
Assunta Tammelleo

Weitere Informationen:
www.kulturverein-isar-loisach.de
www.hinterhalt.de

Titelbild: Rückseite Flyer-Motiv „Kopf über Stöckelschuh“