Georg Spalatin: Zwei Reformatoren und ihre Käthen oder Die Ketten der Käthen

„Der Ring macht Ehen, und Ringe sind's, die Ketten machen“, so lässt Friedrich Schiller Elisabeth I. von England über die Verbindlichkeiten der Institution sinnieren. „Meine Kette“ nannte denn auch der Reformator Georg Spalatin seine Frau Katharina, allerdings eher liebevoll scherzend als lamentierend. Ein Wortspiel um ihren Namen, den er aus dem Lateinischen „catena“ (= Fessel) ableitete. Übernommen hatte er dies wohl von seinem Freund Martin Luther, dessen Frau ebenfalls Katharina hieß. Die Ketten der Käthen scheinen keine wunden Knöchel hinterlassen zu haben: Beide Männer äußerten sich wiederholt über ihr großes Glück, mit einem jeweiligen Prachtexemplar von Frau verheiratet zu sein. Ein Jahr nach seiner Hochzeit (3.6. 1525), bezeichnete der 43-jährige Luther in einem Brief an Spalatin seine Katharina als „die beste Frau und das geliebteste Weib“. 

Bildtext: Altenburg Residenzschloss

 

Im November 1525 ehelichte Georg Spalatin, damals Stadtpfarrer im thüringischen Altenburg, Katharina Heidenreich, Tochter eines Altenburger Bürgers und Chorsängers, weil er „dem Schlampam Abbruch“ tun wollte. Ein mutiger Schritt, der ihm viel Ärger und Kritik einbrachte. Spalatin war Kanoniker am St. Georgenstift und seine Mitdomherren beschuldigten ihn nun, das Gelübde des Zölibat gebrochen zu haben. Sie forderten ihn auf, seine Ehe wieder aufzulösen, und drohten ihm mit dem Verlust seiner Stiftspfründe. Spalatin hielt an Katharina fest und bekam Rückendeckung durch den Kurfürsten. Der Einsatz lohnte sich. Der große Reformator konnte 20 glückliche Jahre mit einer Lebenspartnerin verbringen, die er als wie für ihn geschaffen empfand. Katharina scheint ihren Mann ebenso geschätzt zu haben, denn sie ließ ihn nur ungern ziehen, wenn er auf Reisen ging.

Während seiner häufigen Abwesenheit managte die selbstbewusste und energische Frau ein normales Familienleben mit zwei Töchtern, verwaltete einen umfangreichen Hausbesitz, bewirtschaftete mehrere Äcker und Wiesen, hielt Vieh und braute Bier. Das verband sie mit Luthers Katharina. Auch diese leitete bravourös einen stattlichen landwirtschaftlichen Betrieb und braute sehr erfolgreich Bier. Mit offenbar beeindruckendem Ergebnis: Luther auf Reisen bat Katharina regelmäßig per Brief, ihm ein Fläschchen ihres Bieres nachzusenden, und drohte bei Nichterfüllung, nicht nach Hause zu kommen. Bier als Bindungspflege der Reformatoren? Auch bei Familie Spalatin scheint es funktioniert zu haben. Der Altenberger Superintendent bezeichnete sein Wohnhaus als den Ort, wo er beliebe, seinen Schlummertrunk „Bier und Wein“ einzunehmen.
(Quelle: © 01- 2014 by CAB-Artis)

Weitere Informationen:
www.spalatin2014.de