Tierische Begegnungen


Noch nie war hierzulande eine derart riesenhafte Spinne gesehen worden. Sie misst mindestens fünf Zentimeter Durchmesser inklusive ihrer behaarten Beine. Da hilft nur eins – raus mit ihr. Also greift frau zu einer Zeitungsseite (der Sportteil ist ideal für solche Zwecke), schaufelt die Spinne mit ihren mindestens acht Zentimetern Durchmesser auf und setzt sie vor die Tür ins Gras. Das Monster blinzelt tückisch und macht sich mit seinen reichlich zehn Zentimetern Durchmessern im Laub davon, wahrscheinlich um sich auf unschuldige Käfer oder was sie halt so frisst zu stürzen. Bestimmt handelt es sich um eine im Schlepptau der Klimaveränderung eingewanderte Riesenspinne aus Madagaskar. Nur dort krabbeln Spinnen mit 15 Zentimetern Durchmesser umher.

Weiter geht’s im Bad. Sitzt da doch auf der elektrischen Zahnbürste ein komischer Käfer und sondiert mit seinen Fühlern die Lage. Die ist sehr ernst, denn er muss raus, wird mittels Sportseite der Spinne ins Gras hinter her geworfen. Mahlzeit!

Die Klimaveränderung bringt wahrhaft harte Zeiten für Bewohner von Erdgeschoßwohnungen im Grünen. Zur Beruhigung der Nerven kann ein Ausflug in die City nicht schaden.
Zwei Stunden später in der Trambahn Richtung Innenstadt. Wieso hält die Tram jetzt so lange an einer Haltestelle und wieso lachen die Leute da vorne, manche schauen auch leicht besorgt drein? Was ist los? Das ist los: Eine französische Bulldogge läuft gut gelaunt, aber unentschlossen auf den Gleisen herum, setzt sich mit dem Hinterteil auf die Straße und mit dem Vorderteil aufs Gleis. Dann geht sie einen Schritt nach links und der Fahrer versucht ganz langsam anzufahren. „Ja spinnst Du!“ tönt es charmant-münchnerisch aus dem Fahrgastpulk! Nein, er spinnt nicht, er bremst sofort. Die Bulldogge hat ein Einsehen und läuft rüber aufs Trottoir in Sicherheit.

Auf den Schreck hin muss frau was essen. Ja, eine knusprige Riesenbrezen für 2.10 Euro. „Nein“, lächelt die Verkäuferin freundlich, „die Brezen kostet 3.10 Euro!“. Ein strammer Preis, bemerkt die Käuferin. „Ja, so ist das nun mal meine schöne Dame“. Meine schöne Dame! Das hat ja nun schon seit hundert Jahren niemand mehr zu der Dame gesagt. Die freut sich und zahlt gerne 3.10 Euro, geht, beißt in die knusprige Brezen und schaut sich nochmal um. Lächelt die Verkäuferin nicht gerade ein Lächeln, das … irgendwie spinnenhaft aussieht? Madagaskar ist überall!
Text und Grafik: Doris Losch

Bildunterschrift: Phantombild der madagassischen Riesenspinne …