Die Plastik-Pest


Am schlimmsten ist es beim Discounter. Sogar die Bananen, von Natur aus bereits perfekt und hygienisch umhüllt, sind gnadenlos eingeschweißt. Gurken kleben in einer Art Ganzfruchtkondom fest. Bei Wurstpackungen à 80 g hauchdünn geschnittener Scheibchen nimmt Plastik mehr Volumen ein als die Wurst selbst.

Besonders schlimm ist es bei italienischem Schinken: zwischen den einzelnen Scheiben liegen Plastiktrennwände, so wollen wir sie mal nennen. Nach dem Auspacken haben wir ein bisschen Schinken und sehr viel Plastik. Käse ruht in einem Plastikring plus zusätzlichem Plastiktellerchen. Manches ist, so scheint es, für alle Ewigkeit eingepackt, nur mit Schere oder spitzem Messer lässt sich dem Inhalt zu Leibe rücken.

Täglich sollten wir uns jetzt an frischen Himbeeren, Heidelbeeren, Stachel- oder Johannesbeeren laben – doch sie sind allesamt in einer Art Plastiksärglein verpackt. Und sogar in einem Geschäft, das sich Achtsamkeit auf die Fahnen geschrieben hat, sind die Bio-Äpfel von einer Plastikhaut umgeben.

Umweltbewusste Verbraucher kaufen Wurst beim Metzger, klar. Doch auch da scheint es unvermeidlich, die Wurst in Plastik einzuschlagen und dann erst in (plastikbeschichtetes) Papier zu schlagen. Wurstsalat, Schwammerlsalat, Tzatziki – alles wird in Plastikbecher abgefüllt und zusätzlich – „Damit nix raustropft, gell“ – in Plastik verknotet. Der gesamte Einkauf kommt natürlich in eine Plastiktüte, obwohl Verbraucher Stofftüten dabei haben, aber da ist es schon zu spät – stolz wird alles über die Theke gereicht : „Ich habe Ihnen alles schön in die Tüte gepackt!“. Prima, dann haben wir gleich eine Tüte, in denen wir den Plastikmüll zum Container bringen können.

P.S.: Wir vermuten, das Curiosity auf dem Mars nicht nur nach Bakterien & Co. suchen soll, sondern nach Lagerstätten für irdischen Plastikmüll. Wäre doch praktisch, unseren Dreck ins All zu schleudern und so die Erde hübsch reinlich zu halten. Da hätten wir ihn dann, den Mars, den Planet Plastic…
Doris Losch

Bildtext: Plastik so weit das Auge reicht – der innerhalb von fünf Tagen angesammelte Plastikabfall eines ganz normalen Zweipersonenhaushalts … kein Kommentar! Foto: Doris Losch