Doris Losch: Ernst & heiter


1. Der ertrinkende Engländer.
Jeder, der den Haupteingang passiert, hört es. Im zweiten Stock ruft ein Patient laut „Hiilfee“ im Abstand von ca. 30 Sekunden, Hiilfee!, Hiilfee!. Keine Sorge, meint eine Schwester, es handelt sich um einen Fall von Demenz. Nach einigen Tagen haben sich die Besucher daran gewöhnt. Doch plötzlich tönt es nicht mehr „Hiilfee“ sondern „Heelp!“ im Abstand von ca. 30 Sekunden, Heelp!, Heelp!. Da erzählt jemand einen alten Witz von Kare & Lucke. Beide sehen vom Ufer aus einen wild in der Isar um sich schlagenden Engländer, der „Heelp!“ ruft. Meint Kare zum Lucke: „Mei, der hätt‘ a besser Schwimma glernt ois Englisch!“.

2. Muttis Liebling.
Täglich fleht eine Patientin förmlich die Schwestern an: „Kann mich bitte jemand zu meiner Mutti fahren, egal wann!“ Meistens erbarmt sich jemand vom Pflegepersonal und schiebt die Tochter samt dem Krankenbett in ein anderes Stockwerk, wo die Mutter stationär untergebracht ist. Anmerkung: Tochter ist 60, Mutti ist 83.

3. Rubbel die Katz.
Schiebt eine sehr kleine, rundliche Schwester ein schweres Krankenbett durch die Gänge und dauernd läuft ihr jemand in den Weg. Meint eine Besucherin: „Sie bräuchten eine lustige Hupe am Bett!“. Gut gelaunt antwortet die Schwester: „Ja, eine die Miau Miau macht!“ Superidee.

4. Die Drag-Queen
Beim Aufsuchen der Damentoilette begegnet die Besucherin einer sehr sehr großen Frau, die sie um mindestens einen gefühlten halben Meter überragt. Sie hat sehr, sehr große Füße und trägt sehr, sehr hübsche und sehr, sehr hohe Stöckelschuhe mit Plateausohlen. „Ihre Schuhe sind ja toll!“, sagt die Besucherin. Die sehr, sehr große Frau antwortet wimpernklimpernd mit angerauter Stimme: „Jaa, die habe ich in Italien gekauft, jaa!“ Und rückt entschlossen ihren Busen zurecht.

Das Leben schreibt die besten Geschichten, sogar im Krankenhaus.
Doris Losch