Teddys unterm Rettungsschirm


Wir stellen diese Frage. Die Gesellschaft für Konsumforschung GfK in Nürnberg, ansonsten eher mit der Beobachtung von Marktanteilen für Katzenstreu, Salami und TK-Pizza im Handel befasst, legt eine brisante Studie vor.

Wir entnehmen dieser, dass jeder siebte erwachsene Bürger Deutschlands sein Kuscheltier mit auf die Reise nimmt, möglicherweise sogar auf Geschäftsreise. Neugierig auf statistische Details? Bitte: 19 Prozent der befragten Frauen und elf Prozent der befragten Männer haben ihren plüschenen Liebling dabei, sobald sie sich weiter und länger von zuhause entfernen.

Das Ganze bedarf eigentlich einer gründlichen Nachstudie. Handelt es sich um Relikte aus der Kindheit? Sind es Spontankäufe bei einem zufälligen (?) Bummel durch die Spielwarenabteilung? Oder um Geschenke der/des Liebsten? Wie heißen die Plüsch-Schätzchen? Bekommen sie im geschlossenen Koffer auch genügend Luft? Fühlen sie sich wohl oder eher verloren in der riesigen Reisetasche zwischen Kulturbeutel und Schlafanzug? Sind sie Markenprodukte Made in Germany oder Billigware aus Weiß-Gott-wo? Alles nicht so einfach zu beantworten.

Leider lauern auch Gefahren auf reisende Teddys. Wir erinnern uns noch mit Schauern an eine Geschichte, die vor vielen Jahren tatsächlich passiert ist: Da fand eine Reinigungsfrau auf einem Flugzeugsitz einen angeschnallten und – kaum wagen wir es zu schreiben – erstochenen Teddy vor. Aber das sind absolute Ausnahmen.

Wir wissen nur, dass eine Riesenchance in der ganzen Sache steckt. Wer Teddys liebt und pflegt, ist bestimmt ein guter Mensch, wenn auch möglicherweise mit kleinen emotionalen Defiziten. Es ist ein schöner Gedanke, dass jeder siebte Banker unterm Euro-Rettungsschirm einen süßen Teddy verbirgt. Ja, und die Politiker erst! Teddys sind vielleicht die einzigen Wesen, die bei schrumpfenden Umfragewerten und verlorenen Wahlen trösten.

Vielleicht könnte man ja Teddys auch als harmlos-lieb dreinschauende Restaurant- und Hoteltester einsetzen. Wie wir es auch drehen und wenden, Teddys sind auf dem Weg die Welt zu erobern und das ist auch gut so.

Wenn jetzt manche die Erotik vermissen, verweisen wir auf Elvis. Der sang schon vor Jahrzehnten: Let me be your teddybear…!
Doris Losch

Foto: Doris Losch