Schäbige Reste?


– und kippt die vom Geburtstagsessen übriggebliebenen Stücke vom Rosmarinhühnchen, viererlei Salate (darunter wunderbarer Feldsalat mit knusprigen Speckstückchen), diverse edle Antipasti, Pommes, Muffins, Pudding für die Kinder etc. in den Mülleimer.

Die letzte halbe Flasche Champagner raucht ja auch nur aus. Also ab damit in den Ausguss, gluckerglucker.
Besagte Kollegin hatte wohl ein richtig gutes Gefühl beim „Aufräumen“ in der Küche. Geld ist reichlich vorhanden. Da fällt es nicht ins Gewicht, wenn Lebensmittel für einen dreistelligen Betrag einfach weggeschmissen und weggegossen werden.

Morgen gibt es wieder Frisches, weil sie ihrer Familie und ihren lieben Gästen nur das Beste servieren will. Wozu also Reste in Frischhaltedosen füllen und ein, zwei Tage im Kühlschrank aufbewahren! Man vergisst sie nur und dann wird alles schlecht.

Im Fernsehen läuft eine Reportage über Näherinnen, die sich für einen deutschen Billigheimer abrackern. In Bangladesch gibt es die billigsten Arbeitskräfte, viel billiger als in China, die werden da ja sowieso immer frecher, meint der – einheimische! – Leiter der stickigen Textilfabrik. Zierliche Näherinnen schuften sechs Tage die Woche, bis zu 14, 16 Stunden täglich für einen lächerlichen Betrag. Keine Familie wird davon satt. Die Reismahlzeiten sind dürftig, ein paar winzige Stückchen Gemüse finden sich darin. Jedes einzelne Reiskorn – jedes einzelne! – wird sorgfältig aufgelesen, wenn es neben den Kochtopf fällt, jedes einzelne ist kostbar und wird gegessen.

Wir sollten uns das ruhig immer mal wieder ins Gedächtnis rufen, wenn wir Reste vom Mittagessen achtlos und undankbar in den Abfalleimer werfen. Und im Gegenteil das Ganze ins Positive kehren und unsere kulinarische Phantasie spielen lassen. Reste sind nie „schäbig“, sondern ergeben, neu gemischt oder mit Zutaten aufgepeppt, leckere kleine Sattmacher. Seien wir also froh, dass wir überhaupt satt werden – selbstverständlich ist das auf diesem Planeten weiß Gott nicht!
Doris Losch