Berührende Wünsche


Wenn Sie jetzt bei „dafür zu bezahlen“ in die falsche Richtung denken, sind Sie selbst schuld. Das ist es eben nicht. Nein, wir wünschen uns angeblich sogar, auch von Ärzten wieder mehr berührt zu werden. Aber das tun die doch – bei Tante Frieda jedenfalls hat der Arzt mit dem Zeigefinger in die geschwollenen Beine gepiekt und verkündet: „Wasser!“, als eine Delle blieb.

Andererseits scheuen sich viele Mediziner, wenn sie allein mit dem Patienten im Behandlungsraum sind, denselben zu berühren – die Gefahr, in schiefes Licht zu geraten, ist heutzutage nicht von der Hand zu weisen. (Bitte jetzt nicht an Dominique denken.) Ungeklärt ist wohl, ob der Berührungswunsch auch für Zahnärzte gilt.

Bleiben wir einfach sachlich und ernst. Vielleicht gelingt das ja. Bei Bezahlen denken wir mal an Physiotherapie. Da bezahlen wir – je nach Krankenkasse nicht zu knapp – für diverse Berührungen. Diese allerdings, nun ja, verlangen häufig starken Charakter. Wir sehen von einer Wohlfühlmassage etc. (besonders etc.) jetzt mal ab. Nein, wir meinen so richtige Physiotherapie wie Manuelle Therapie, Trigger und so Sachen. Das kann ganz schön weh tun, wenn die sehr kräftige Physiotherapeutin oder ihr 1.90 m großer Kollege entschlossen in die verspannten und verknoteten Nackenmuskeln hineinknetet wie in einen Stollenteig – aua! Wenn es uns nach der Behandlung nicht (meistens) besser ginge, würde kein Mensch dafür auch nur einen Cent hinlegen!

Bayern scheinen ungewöhnlich zart besaitet. 53 % von ihnen meinen, es würden weniger Aggressionen geben, wenn wir uns mehr berühren würden, während dies nur 34 % der Nordrhein-Westfalen meinen. Fast 20 % der Bayern beklagt, viel zu wenig berührt zu werden, deutschlandweit sind es nur knapp 13 %. Interessanterweise verurteilt aber mehr als die Hälfte der Bayern die weißblaue Bussi-Bussi-Kultur. Sie scheinen irgendwie nicht zu wissen, was sie nun wollen: Bussi-Bussi und Patsch-Tatsch oder die Kombination Trigger-Knet, Streicheln, mit oder ohne Fummeln? Da fällt uns die angelsächische Expression „to blow a kiss“ ein, es ist quasi eine virtuelle Berührung, wenn z.B. eine gute Fee ein Küsschen bläst, neinnein, pustet, du liebes bisschen, wo sind wir denn jetzt gelandet…. Ach was, das berührt uns doch gar nicht.
Doris Losch