Prinzessin Lilly Butzi-Baby


Lilly heißt das Katzenkind. Leider ist sein Frauchen sehr mit ihrer Karriere beschäftigt und kümmert sich kaum um den süßen Fratz. So kommt es, wie es kommen muss: Lilly zieht um. Zuerst pendelt sie noch zwischen ihrem alten und neuen Zuhause, entscheidet sich schließlich für das neue Heim.

Ach, da ist es sooo schön. Es gibt so lecker zu essen, so viele schmusige Krauleeinheiten und dürfen darf das Kleine natürlich alles. Ihr fallen viele lustige Sachen ein. So umspinnt sie mit einem aufgedröselten Wollknäuel Tisch und Stühle im Wohnzimmer. Ein Kunstwerk! Sie schnurrt mit persönlicher Note: Nach einer Runde Schnurren – es ist sehr laut und hört sich an wie trööötröö-trööötröö – schmatzt Lilly dreimal nach. Es folgen ein paar Sekunden Stille, bevor es erneut losgeht: trööötröö- tröötröö …

Eines Tages ist das neue Frauchen entsetzt: was ist das für eine schwarze Kugel am Lillys Hals! Jetzt fällt sie runter und krabbelt schwerfällig im Wohnzimmer umher. Igitt, ein Zeck! Lilly muss den ekligen Plagegeistern besonders gut schmecken, fast von jedem Ausflug kehrt sie mit einem oder mehreren Zecken zurück. Mit Zeckenzange und Zeckenmittel – sie hasst es, wenn es ihr eingerieben wird, sie h a s s t es, fauch! – werden die Biester in Schach gehalten.

Lilly Butzi-Baby ist schneeweiß. Kein einziges andersfarbiges Härchen trübt ihr dichtes Haarkleid. Es erinnert irgendwie an weissen Tweed, strapazierfähig und dennoch kleidsam. Ihr Geschäftchen macht sie am liebsten im Sandkasten. Uii, das gibt Ärger, weil sie als weiße Katze besonders gut sichtbar ist.

Nun sind viele weiße Katzen taub, Lilly ist es nur manchmal. Meistens kommt sie, wenn sie gerufen wird. Sogar neulich, als sie unternehmungslustig vorne an der Straße stand und fröhlich dem Bus hinterhersah: wo der wohl hinfährt? Mit einer „Kollegin“, Feli, zieht sie um die Häuser. Also, buchstäblich um die Häuser und die stehen an vielbefahrenen Straßen. Das kann auf die Dauer nicht gut gehen, Frauchen hält das nervlich nicht aus.

Jetzt erweist sich, dass Lilly ein Glückskind ist. Die Sangesfreundin einer im Chor singenden Nachbarin wohnt ländlich-ruhig und nimmt Lilly zu sich. Ihr gefällt es dort sofort. Sie durchstreift ein ausgedehntes Revier, jagt Hühner und hat auf Anhieb zwei Verehrer, einer davon heißt Luigi. (Keine Bange, alle haben sich „der Operation“ unterzogen.) Sie wohnt dort jetzt seit Jahren und ist die Prinzessin im Hause. Happy End für eine makellose Schönheit!
Text: Doris Losch, Foto: Steinberg