Doris Losch: Leo, die Partykatz‘!


Ihre Öhrchen sind nicht tätowiert. Und sie selbst schweigt natürlich. Datenschutz! Bald verfügt sie über ein Netz an Stützpunkten. Im Fotoladen ist sie gerne gesehen und bekommt Leckerli. In der Filiale einer dieser privat betriebenen Postzustelldienste richtet ein Katzenfreund eine elegante Futterstation ein mit chromblitzender Speise- und Wasserschüssel.

Morgens, kurz vor sechs Uhr, sitzt die Miezi schon vor der Bürotür und wartet auf ihren Imbiss. Nach einer ausgiebigen Schmauserei begibt sie sich hundert Meter weiter zu einer bestimmten Terrassenwohnung. Dort gibt es immer etwas zu Futtern und zu Trinken. So vergehen die Wochen.

In einer nebligen Herbstnacht öffnet die mit sechstem Sinn ausgestattete Besitzerin der Terrassenwohnung die Tür so um halb Drei früh und siehe da, wer steht vom Nebel umwabert im Garten: die Wanderskatz‘! Klar wird sie hereingebeten. Nach einem erholsamen Schlümmerchen maunzt sie: „Ich will wieder raus, aber sofort!“ Sie kommt häufiger.

Eines Abends löst sich das Rätsel. Als sie in der Dämmerung am Wegesrand sitzt und die heimkehrenden S-Bahnpassagiere begrüßt, ruft eine Frau: Ja, da ist er ja, mein Leo! Leo heißt der Kater und hat durchaus ein Zuhause. Sein trübes Auge rührt von einem Zusammenstoß mit einem Auto. Jetzt holt ihn seine Besitzerin regelmäßig ab, wenn er in der Terrassenwohnung eintrifft, damit er häuslicher wird und sich nicht dauernd auf der Straße in Gefahr bringt.

Tatsächlich hat Leo seinen Aktionsradius inzwischen etwas verkleinert. Aber nur etwas. Sein Vater war ‚ne Wanderskatz‘ und ihm liegt`s auch im Blut: Leo nimmt an einer Erstkommunionfeier teil, Leo marschiert in eine völlig fremde Wohnung im zweiten Stock, Leo wird aufgegriffen und ins Tierheim gebracht. Glücklicherweise ist er gechipt, hat also seinen „Perso“ bei sich und wird von seiner „Mamma“ abgeholt. „Neuerdings“, verrät seine Besitzerin, „geht er auch in den Kindergarten oder in die Gärten, wenn gefeiert wird. Er macht so gerne Party!“
Doris Losch