Doris Losch: Rambolis Ostermorgen


Ramboli also ist einige Jahre lang immer wieder Gast im Hause, wenn Frauchen und Herrchen in die Ferien fahren. Schnell stellt sich heraus, dass der Name Rambo nicht soo ganz weit hergeholt ist. Der stattliche Kater lauert, sofern er nicht frisst oder sich einem ausgiebigen Schönheitsschlaf auf dem Schrank hingibt, darauf, dass jemand seine Pfade kreuzt und dann – patsch! oder kratz! (je nach Laune) teilt er aus egal ob auf Fuß, Wade, Arm oder Hand. Noch heute zeugen deutliche Narben von seinen Überraschungsattacken. Vielleicht war er im früheren Leben mal ein Wegelagerer. Allabendlich stürzt er, sobald sich seine Gastgeberin zur Ruh‘ begibt, ans Bett und haut – patsch! aufs Plumeau.

Bei schönem Wetter spielt er auf der Terrasse mit Wasser. Er liebt es in einer Wasserschüssel herum zu patschen und sein Spielzeug einzuweichen. Gerne taucht er eine Pfote ins Wasser und lutscht sie dann ab. Wie köstlich! Noch lieber tunkt er sie in eine Vase mit Blumen, die schon länger stehen. Dieses Wasser ist so würzig! Schön würzig ist auch das Wasser des Osterstraußes, der liebevoll mit österlichem Tand geschmückt ist. Da muss das Pfötchen natürlich auch hinein. Klarerweise geht das nicht immer gut, die Vase kippt und das ganze schöne würzige Wasser ergießt sich auf die blütenweiße festliche Tischdecke. Aber was soll’s. Katzen dürfen alles.

Ramboli freilich hat nicht nur Unsinn in seinem hübschen Katerköpfchen, er hat auch Grips.

Am Ostermorgen ist es herrlich auszuschlafen. Rambo aber ist wach und verlangt maunzend Happihappi, erntet aber nur unwilliges Knurren. Wieso bitte soll der Mensch am Ostermorgen um sieben Uhr aufstehen!! Wo ohnehin immer Trockenfutter bereitsteht. Nach mehrmaligen Maunz-Versuchen herrscht erstmal einige Minuten Schweigen. Stille. Dann plötzlich: zarter leiser Glöckchenklang ist zu hören. Bimmelbimmelbimmel!! Das Bimmeln naht sich dem Bett, wird lauter und tönt auf einmal dem Menschen direkt ins Ohr: BIMMEL! Augen auf: Ramboli trägt das Halsglöckchen des Osterlämmchens im Mäulchen. Er schwenkt es hin und her, nach dem Motto Bruder Jakob, hörst Du nicht das Glöckchen, dingdongdong. Ein derart kluges Vorgehen wird klarerweise belohnt, mit einer Sonderportion seines Lieblingsfutters. Fröhliche Ostern!
Doris Losch