Alice Frommholz: Schläfrige Plauderei


Peinliche Schulerinnerungen, wenn man donnernd aus seinen Träumereien außerhalb des Pensums aufgescheucht wurde – “Du schläfst ja schon wieder … “

Oder langweilige Besucher-Abende, wo sich die Unterhaltung mühsam durchknetet, und man mit dem sonst so biederen Schlaf einen unerbittlichen Kampf auszufechten hat.

Wieviel Stationen hat man im Leben und auf der Bahn einfach verschlafen. Nicht immer lassen sie sich wieder einholen und man gilt unweigerlich als elende Schlafmütze.

Der Schlaf, so unsichtbar und lautlos, spielt uns gern einen Schabernack mit ungeahnten Überrumplungen. Und es gehört mitunter unsere ganze Energie dazu, ihn bei den unpassendsten Gelegenheit zu parieren.

Nun, Schlaf ist aber nicht das Schlechteste auf Erden.
Was ist erquickender, als seine schlechte Laune einfach auszuschlafen.

Zwar mitunter funktioniert der Sandmann absolut gar nicht, und man kann sich noch so oft im Bett herum wälzen, die ganze Gegend verwünschen – der Schlaf läßt sich weder blicken noch herbeizaubern.

Doch der Schlaf ist von Hause aus ein gutmütiger Geselle. Er verschenkt sich dem Fleißigen, der nach mühevoller Arbeit wohltuend von ihm belohnt wird. Er gibt dem Kranken die Gesundheit wieder und müdegeweinten Augen den rechten Trost.
Alice Frommholz (1910-1962)