Doris Losch: Mein Kleiderschrank ist leer!


Die weit geöffneten Türen des Kleiderschranks offenbaren das ganze Dilemma. Der Schrank ist randvoll, ja dichtgedrängt voll, aber es ist nichts drin. Alles von gestern, vorgestern, trutschig, out, doof. Freundinnen und Kolleginnen kennen alles schon und meinen, frau habe nichts anderes. Was ja im Prinzip auch stimmt, aber nicht weiterhilft.

Für die bevorstehende Frühlingssaison sieht es schlecht aus. Ärmelloses geht gar nicht, wegen der schlaffen Oberarme. Kurze Röcke kommen sofort in die Kleidersammlung, weil die Beine oberhalb des Knies nicht mehr vorzeigbar sind (blickdichte Strümpfe sind im Frühling zu warm, Stützstrümpfe haben noch ein paar Jährchen Zeit). In die Kleidersammlung kommen weiter: Olle Shirts, so komische Jacken (die haben einem mal gefallen? Furchtbar!), runtergesetzte Kaschmirpullis (zweifädig) mit Wuzzeln, die dottergelben Leggings (Hilfe!), der apricotfarbene Rüschenrock, die fürchterlich zerknitterte Leinenhose (im Gesicht knittert es genug).

Sonderbar ist, dass sich etliche Frühlingssachen über den Winter zusammengezogen haben. Kann nur an der Klimaveränderung liegen. Die gewandelten Wetterbedingungen müssen Stofffasern irgendwie negativ beeinflussen bis zum Schrumpfen, vor allem in der Taillen- und Hüftregion.

Also bleibt nur eines zu tun: Her mit dem großen Altkleidersack und rein mit dem ganzen Krempel. Der Schrank leert sich wohltuend – empfehlen Feng Shui-Experten nicht immer, sich von altem Kram zu befreien? Ja, ein Gefühl von Freiheit breitet sich aus…aber…. Frau hat nichts anzuziehen, wirklich nichts!!! Und das unter den erschwerten Bedingungen der Klimakatastrophe.
Doris Losch