Gertrud Knobloch: Drei Gedichte


Tränendes Herz
Von Gertrud Knobloch

Im Bogen sie hängen,
die pinkroten Herzen,
mit reinweißen Tränen,
die ausseh’n, als tropften
sie gleich auf den Boden
wie Regen herunter.

Doch ob sie auch Tränen
und Weinen uns vormacht,
die seltsame Blume,
so läßt sie doch fröhlich
die Herzblüten schaukeln
wie Fackeln im Wind.

Getrocknet verzierte
so manches der Herzchen
gefühlvolle Briefe.
Sie tragen weithin
die Sehnsucht nach Liebe
– ihr Sinnbild sie selbst.

Orchideen
Von Gertrud Knobloch
In Rosa und Lila sie strahlen und prangen
als trügen sie goldenen Staub,
doch schaut man genauer, sie scheinen zu fangen
mit Wolfsrachen, was ihnen glaubt.

Als Zähne wie Tiger sie bilden die Narben,
die Pollen, um an sich zu zieh‘n
Insekten, die arglos in buntesten Farben
sich Honig zu holen bemüh’n.

Man hält sie zum Narren, denn leer ist der Rachen,
der bunt sich bereitwillig streckt,
doch hat das Insekt die Befruchtung zu machen,
mit Pollen sich ringsum bedeckt.

So fliegt es davon schließlich ganz ohne Lohn,
nur ausgenutzt von dieser Pflanze;
fliegt anderswohin schnell in sirrendem Ton
zum Nektar im fliegenden Tanze.

Gertrud Knobloch
Im Rheinland geboren, lebt die Autorin jetzt mit ihrem Mann am Starnberger See in Bayern. Die Mutter zweier erwachsener Söhne war früher Werbeleiterin und Redakteurin und ist heute freie Schriftstellerin. Ihre Gedichte, Essays und Geschichten haben vor allem die Natur und Probleme unserer Zeit zum Thema.

Hintergrund
Feuilleton – ein Blick ins Lexikon verrät, dass es sich hier bei diesem Genre "um den kulturellen Teil in einer gedruckten oder Internetzeitung" handelt und damit im Gegensatz zum politischen, wirtschaftlichen, lokalen oder Sportteil steht. Feuilleton umfasst Berichte und Nachrichten aus dem Kultur- und Geistesleben: angefangen von Kritiken in Hörfunk, Fernsehen oder Theater und reicht bis hin zu Buchbesprechungen und Glossen, zu Abhandlungen und Reflexionen über zeitgenössisches Leben. Aber auch Gedichte, Aphorismen, Sentenzen oder erzählerische Fortsetzungsromane werden unter dem begrifflichen Dach "Feuilleton" geführt.

Im engeren Sinne versteht sich das Feuilleton als geistreich pointierte Betrachtung, die zur Nachdenklichkeit anregt. Der Autor reflektiert scharfsinnig, emotional, witzig, ironisch oder amüsant, über oftmals alltägliche Begebenheiten, die durch diese besondere Wahrnehmung bedeutsam erscheinen.

brikada will das "Feuilleton im engeren Sinne" neu beleben und veröffentlicht in lockerer Folge Beiträge von Schriftstellerinnen, Lyrikerinnen und Buch-Autorinnen. bk