Degustationen mit Schokolade und Wein


Ostern und Weihnachten sind Zeiten, in denen wir besonders oft dem Zauber zart schmelzender Schokolade erliegen. Nicht selten mit schlechtem Gewissen, wenn wir an den Kaloriengehalt der süßen Köstlichkeiten denken. Mit etwa 550 Kalorien pro 100 Gramm ist Schokolade nicht gerade ein „Leichtgewicht“. Trotzdem vernascht jeder Bundesbürger pro Jahr 8 bis 10 Kilogramm davon, mal mehr, mal weniger, je nach Jahreszeit und Anlass. Zumal es sich in letzter Zeit herumgesprochen hat, dass Schokolade nicht nur ein Genuss für Gaumen und Sinne ist, sondern sogar gesund. Wie jeder „Schokoholic“ bestätigen kann, sorgt sie auch für gute Laune.

Ernährungswissenschaftler haben bewiesen, dass in der Schokolade jede Menge Polyphenole stecken, das sind Antioxidantien, die freie Radikale abfangen und somit vor Herz- und Gefäßkrankheiten schützen. Je höher der Kakaoanteil, desto gesünder und wertvoller ist die Schokolade. Die im Kakao enthaltenen Flavonoide, das sind sekundäre Pflanzenstoffe, wirken außerdem blutdrucksenkend und entzündungshemmend. Dunkle Schokolade kann auch Durchfall lindern, weil sie besonders hohe Anteile an Flavonoiden hat, die ein Protein hemmen, das im Darm die Flüssigkeitsabsonderung begünstigt. Schokolade enthält zudem wertvolles Magnesium, Kalium, Eisen und Calcium.

Für gute Laune verantwortlich ist in der Schokolade der Eiweißbaustein Tryptophan, aus dem im Gehirn unter Mitwirkung des Zuckers der Nervenbotenstoff Serotonin gebildet wird, der als“Glückshormon“ gilt. Außerdem werden beim Schokoladengenuss Endorphine freigesetzt, die ebenfalls die Stimmung heben.

Dazu eine interessante Studie: Der Londoner Neuropsychologe Neil Martin machte einen Test mit 3000 Probanden. Sie saßen in geruchsneutralen Räumen, trugen Augenklappen und Ohrschützer und wurden mit den unterschiedlichsten Gerüchen konfrontiert (Kaffee, Knoblauch, Pfefferminze, faules Fleisch…). Lediglich bei Schokolade konnte ein Anstieg sowohl der Alpha- als auch der Beta-Hirnströme-Aktivität festgestellt werden. Schokoduft scheint daher das Gehirn gleichzeitig zu entspannen und zu erregen und dabei geistig wach zu machen. In Maßen genossen, ist Schokolade, vor allem die dunklen Sorten, also durchaus zu begrüßen.

Dasselbe gilt übrigens auch für Wein. Vor allem Rotweine enthalten viele nützliche Flavonoide, die “ darin sind sich Mediziner mittlerweile einig “ eine blutdrucksenkende Wirkung haben und das Herz-Kreislaufsystem schützen. Wie bei Schokolade ist im Wein “ zumal in größeren Mengen in den Barriqueweinen “ auch der Botenstoff Serotonin enthalten.

Ein besonderes Genuss-Erlebnis ist die Kombination von Schokolade und Wein, die bei Weinkennern derzeit im Trend liegt. Weinproben, bei denen harmonierende Wein- und Schokoladensorten verkostet werden, werden immer häufiger angeboten. Schließlich haben diese beiden „Partner“ viele Gemeinsamkeiten. Beide Kulturpflanzen, der Kakaobaum Theobroma, bei den Azteken als „Speise der Götter“ bezeichnet, und der Weinstock sind uralt. Zeugnisse vom Weinbau reichen bis 4000 vor Christus zurück, die Kakaopflanze bringt es auf etwa 3000 Jahre. Die xocoatl genannte Zubereitung des Kakaos schmeckte den spanischen Eroberern zunächst nicht, bis Nonnen um 1550 die Mixtur mit Zuckerrohrsaft versüßten, und mit diesem Getränk war ein Vorläufer der heutigen Schokolade geboren. Sogar mehrere Päpste mussten sich dann mit der Frage befassen, ob die Schokolade eine Speise sei und damit unter das Fastengebot falle. Alle Päpste entschieden sich dagegen und damit durfte das leckere Getränk auch in der Fastenzeit genossen werden.

Schokolade & Wein-Degustationen kann man auch zu Hause durchführen. Kenner raten, dazu nur hochwertige Schokoladen- und Weinsorten auszuwählen und sich dabei auf maximal 5 bis 7 Sorten zu beschränken. Fachleute empfehlen, neben zwei klassischen Schokoladensorten fein-würzige Schokoladen-Spezialitäten zu reichen, wie sie jetzt immer moderner werden: Schokoladen mit Fruchtanteilen oder mit exotischen Gewürzen wie Vanille, Zimt, Koriander, Pfeffer, Chili, Safran, Curry oder Zitronengras. Wein hat, wie Fachleute es nennen, ein „Aromaspiel“ von rund 850 bis 900 Aromen, die Schokolade bringt es auf rund 1100 Aromen. Grundsätzlich gilt: je süßer die Schokolade, desto milder im Hinblick auf die Weinsäure sollte auch der Wein sein. Auch mit guten Weiß- und Rotweinen aus Deutschland gelingt eine solche Degustation perfekt. Und sie ist eine besonders originelle Art der Bewirtung und Geselligkeit.

Lesen Sie dazu auch das brikada-Interview mit der Wein-Fachfrau Christine Beisch unter „Im Gespräch“.
Isolde Bräckle