In Bayern heißt es: Jetzt ist Starkbierzeit! (Nachbericht)


Das bayerische Starkbier hat als traditionelle Fastenspeise gewissermaßen päpstlichen Segen erhalten. Und dass die vollmundigen Doppelbockbiere einen reinen Hochgenuss bieten “ davon sind die Bayern ebenso überzeugt, wie Besucher, die während der „fünften Jahreszeit“ auf Entdeckungsreise durch das Bierland Bayern gehen.

Wichtigstes Unterscheidungsmerkmal bei Bock- und Doppelbockbieren ist der Stammwürzgehalt. So muss ein Bockbier mindestens 16 Prozent Stammwürze haben, ein Doppelbock mindestens 18 Prozent. Bei Bieren, die fantasievolle Namen mit der Endung „ator“ tragen, handelt es sich stets um Doppelbock. Die untergärig gebrauten Fastenstarkbiere erkennt man an den intensiven dunklen Farben, der üppigen Schaumkrone und der ausgeprägt malzbetonten Geschmacksnote.

Bock und Doppelbock sind heute Inbegriffe traditionsreicher, bayerischer Braukunst. Jedes dritte der in Deutschland gebrauten Bockbiere stammt aus bayerischen Sudhäusern. Erfunden wurden die Biere mit dem höheren Stammwürzegehalt jedoch in der niedersächsischen Stadt Einbeck. Ende des 16. Jahrhunderts ließen bayerische Herzöge in München das „Braune Bräuhaus“ errichten, um das in Bayern beliebte „Ainpöckisch Bier“ selbst zu brauen. Der Volksmund machte aus dem „Ainpöck“ den „Oanbock“ und später kurzerhand den „Bock“. „Bockbier“ bezeichnet seitdem Biere mit höherem Stammwürzegehalt. Der Begriff „Starkbier“ entstand erst im 20. Jahrhundert.

„Sankt-Vater-Bier“
Das älteste Fastenstarkbier ist der Salvator. Erstmals gebraut wurde er im 17. Jahrhundert im Kloster Neudeck vor den Toren Münchens. Ursprünglich hatten Paulanermönche das starke Bier nach „Ainpöckisch Art“ keineswegs als Fastengetränk, sondern als Festbier für den eigenen Bedarf kreiert. Die Kunde vom guten Trunk pflanzte sich rasch fort. Viele Münchner pilgerten zum Kloster, um vom „Sankt-Vater-Bier“ zu kosten. Bald war es guter Brauch, alljährlich am Josephitag den Anstich in Anwesenheit des Kurfürsten zu feiern. Der Name des Bieres wandelte sich in „Salvator“, die Tradition blieb bestehen. Bis heute versammelt sich Bayerns politische Prominenz zum Salvatoranstich, um vom Doppelbock zu kosten, und sich beim „Derbleck´n“, von Schauspielern und Kabarettisten persiflieren zu lassen.
Vom Erfolg des Salvators wollten natürlich auch andere Brauer profitieren. Es entspann sich ein langer Namensstreit, den erst 1896 das kaiserliche Patentamt beilegte, indem es die Bezeichnung schützte. Die Brauer reagierten prompt und ließen sich immer originellere und prachtvollere Namen einfallen: Animator, Bayerator, Delicator, Maximator, Optimator, Raritator, Triumphator, Vitaminator…

Frauen schätzen Fastenstarkbiere!
Während frommen Christen in vergangenen Zeiten das Starkbier durchaus als nahrhafteste Fastenspeise galt, trägt man heute dem höheren Alkoholgehalt des köstlichen Doppelbocks Rechung, und genießt ihn mit einer herzhaften Brotzeit. Wer übrigens glaubt, die „Starken“ seien reine Männersache, liegt falsch. Viele Frauen schätzen den Anklang der Malzsüße und die feine Karamellnote der Fastenstarkbiere. Natürlich schmecken die „-atoren“ im 0,25-Liter-Steingutkrügerl ebenso gut wie im Halbliter- oder Maßkrug. Ein Geheimtipp für Schlemmer: Probieren Sie einmal den Doppelbock im Mini-Keferloher als Desserttrunk “ aromatischer kann man ein feines Menü kaum beenden!

Foto: Bayerischer Brauerbund e.V.

Weitere Informationen:
www.bayerisches-bier.de

(Der Link wurde am 15.03.2006 getestet.)